"Let´s Take Care of the Planet" in Brasilia

 

Auch das gehörte zum Comenius-Projekt:

 

Dreimal Brasilien und zurück

Internationale Konferenz für Kinder und Jugendliche „Let’s Take Care of the Planet“ in Brasília, 5.-10. Juni 2010

 –        wir waren dabei!!!
 
Wozu gehört diese Brasilien-Sache eigentlich? Ist das Comenius? Agenda? Baltic Sea Project? Wie so oft, ist die am ehesten zutreffende Antwort: Es ist alles zugleich, von allem ein bisschen. Und man muss bei Agenda 21 NOW! beginnen, um zu beschreiben, weshalb.
 
Vorbereitung, Teil 1
Seit über zehn Jahren findet an einem Tag in jedem Frühjahr, vierundzwanzig Stunden lang, die globale Internet-Konferenz Agenda 21 NOW! statt. Dieses Projekt wurde von mir (Martin Jarrath) in meiner Zeit als Lehrer an einer Frankfurter UNESCO-Projekt-Schule gegründet und am HGT weitergeführt, seit ich 2003 gekommen bin. Agenda 21 NOW! ist fester Bestandteil des Baltic Sea Project und des internationalen Schulnetzwerks der UNESCO-Schulen, und deshalb koordiniert das Agenda 21 NOW!-Team am HGT die Termine und Inhalte regelmäßig mit diesen beiden Schulnetzwerken.
 
Über das UNESCO-Schulnetzwerk kam vor zwei Jahren eine Verbindung zu einem Projektteam in Brasília zustande, das im Auftrag des brasilianischen Bildungsministeriums und des brasilianischen Umweltministeriums dabei war, für Juni 2010 eine Konferenz für Kinder und Jugendliche aus aller Welt vorzubereiten. Der Titel: Let’s Take Care of the Planet. Die inhaltlichen Berührungspunkte zu Agenda 21 NOW! waren offenkundig, und die Brasilianer hatten ursprünglich die Idee, über die virtuelle Konferenz Agenda 21 NOW! gute Teilnehmer für die physische Konferenz in Brasilien zu finden. Wir bei Agenda 21 NOW! hatten den Gedanken, unser werdendes Comenius-Projekt am HGT einzubringen, um engagierten Schülern aus den beteiligten Schulen die Möglichkeit zu bieten, zu einer ganz besonderen internationalen Konferenz nach Brasilien zu fahren.
 
Am Ende war es dann nicht so einfach wie erhofft: Der Weg nach Brasilien war verschlungen und führte über verschiedene Ministerien in Brasília, Berlin und Mainz sowie die Kultusministerkonferenz und die UNESCO-Projektschulen. Am Ende wurden sechs Schüler aus Deutschland nominiert, um zur Konferenz nach Brasilien zu fahren, davon zwei aus dem Agenda 21 NOW!-Team vom HGT: Moritz Weis (7a) und Max Jochem (8a). Herr Jarrath war Teil des erweiterten Organisationsteams in Brasilien und sollte bei der Konferenz einen Workshop zum Thema globale Erwärmung leiten.
 
 
Vorbereitung, Teil 2
Warum eine solche internationale Konferenz in Brasilien? Darauf gibt es viele Antworten. Hier sind zwei:
 
Erstens: um den in Brasilien noch wenig entwickelten Umweltgedanken voranzubringen, auf diese Weise ist Let’s Take Care of the Planet ein umweltpolitisches Projekt des aktuellen brasilianischen Präsidenten Lula. In den letzten sieben Jahren hatte es drei nationale brasilianische Umweltkonferenzen unter Beteiligung vieler Tausend Schüler gegeben, als Abschluss und Höhepunkt der brasilianischen Regierungsinitiative sollte nun eine internationale Konferenz stattfinden.
 
Zweitens: die Idee der Nachhaltigen Entwicklung. In einer Zeit, in der Veränderungen globalen Ausmaßes stattfinden, die von Menschen herbeigeführt wurden, zum Beispiel die überall spürbare Erwärmung der Atmosphäre, ist es notwendig, individuelle Verantwortung für die Welt als Ganzes zu übernehmen, und es ist eine gute Idee, wenn Kinder und Jugendliche lernen, ihren eigenen Beitrag zu erkennen und zu formulieren. Die brasilianische Konferenz im Juni 2010 war deshalb kein einzelnes Ereignis, sondern Höhepunkt und vorläufiger Abschluss eines internationalen Bildungsprozesses, als dessen Ergebnis in Brasília ein gemeinsames Dokument, die charter of responsibilities – Let’s Take Care of the Planet entstand.
 
Auch die deutschen Teilnehmer und das Projekt Agenda 21 NOW! haben an der Vorbereitung der Konferenz in Brasilien und insbesondere an der Vorbereitung der charter of responsibilities mitgewirkt:
 
Am letzten Samstag der Osterferien 2010 trafen wir uns zu einer nationalen Konferenz in Bonn, um den deutschen Beitrag, eine deutsche charter of responsibilities, zu formulieren – abgesehen davon, dass wir, die deutschen Teilnehmer an der Konferenz, uns gerne kennenlernen wollten.
 
Anfang Mai fand eine virtuelle europäische Konferenz statt, eine Internet-Konferenz also, bei der über zweihundert jugendliche europäische Teilnehmer mit Experten und Moderatoren über den europäischen Beitrag zu einer globalen charter of responsibilities diskutierten. Diese Diskussion fand auf der Internet-Plattform von Agenda 21 NOW! statt, die wir zu diesem Zweck umfassend technisch angepasst haben.
 
Agenda 21 NOW! ist eigentlich ein einsprachiges Projekt, mit Englisch als einziger Konferenzsprache. Anders die europäische Konferenz: Diese siebentägige virtuelle Konferenz im Vorfeld zu der globalen Konferenz in Brasilien fand in vier Sprachen statt: Englisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch. Angenehmer Nebeneffekt für Agenda 21 NOW!: Unsere Konferenzsoftware haben wir nun also zu einer viersprachigen Version weiterentwickelt, mal sehen, was wir damit in Zukunft noch alles anstellen …
 
 
Konferenz in Brasília
Am 2. und 3. Juni, am Beginn des langen Fronleichnamswochenendes, flogen wir drei (Martin Jarrath, Max Jochem, Moritz Weis) nach Brasilien. Dort erwartete uns die vielleicht größte Jugendkonferenz, die es je gegeben hat (wir wissen nicht wirklich, ob das so ist). Und wir waren dabei!
 
Eröffnungsveranstaltung: Die Teilnehmer aus 53 Staaten erschienen mit ihren nationalen Fahnen und Symbolen.
 
In Brasília trafen sich über 400 Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren aus 53 Staaten. Let’s Take Care of the Planet war der Titel dieser außergewöhnlichen, umwerfenden Konferenz, die wirklich alles in den Schatten stellte, was wir erwartet und bis dahin erlebt hatten.
 
 
Auf der Hinreise, am Flughafen in Sao Paulo, trafen wir auf die erste nichtdeutsche Delegation: die Gruppe aus Paraguay. Gemeinsam flogen wir weiter nach Brasília, wo wir überaus herzlich empfangen wurden. Im Laufe des Tages, es war der 3. Juni, kamen immer mehr Gruppen an, aus vielen verschiedenen Ländern von fünf Kontinenten. Der Rest der deutschen Gruppe traf am 4. Juni ein, und einer von uns Deutschen war schon seit einer Woche vor Ort: der deutsche facilitator Moritz Rehfeld, ein vierundzwanzigjähriger Trierer Studierender und Mitglied des Agenda 21 NOW!-Teams, der uns während der Konferenztage unterstützen und begleiten sollte.
 
 
Die sechs deutschen Delegierten stellen sich dem Plenum vor.
 
Am 5. Juni begann die eigentliche Konferenz, mit einem sogenannten Conceptual Dialogue, in dem Fragen der globalen Erwärmung und andere weltumspannende Probleme andiskutiert und für die Konferenz aufbereitet wurden.
 
Später am Tag trafen die europäischen Delegationen einander: Russland, Georgien, Türkei, Tschechien, Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien und Portugal. Georgien als europäisches Land, die Türkei auch? Wir alle hatten damit kein Problem, die Georgier fühlten sich uns zugehörig, und das war sehr schön so. Und übrigens konnten Russen und Georgier hier sehr gut miteinander, auch das war ein tolles Erlebnis für uns alle.
 
 
Im Laufe der Konferenz fassten die europäischen Delegierten gemeinsam verschiedene Verantwortlichkeiten – responsibilities – zu verschiedenen Themen in jeweils einem Satz zusammen, keine ganz leichte Aufgabe bei so vielen unterschiedlichen Nationen. Aber es gelang!
 
Zwischendurch gab’s eine Exkursion nach Brasília und in das tropische Umland – Brasilia liegt in 1000 m Höhe über dem Meer bei 16 Grad südlicher Breite, wir waren also im tropischen Winter, bei ganz viel Sonnenschein und 27 Grad am Nachmittag. Abends, verteilt auf mehrere Tage, fanden sogenannte cultural festivals statt, bei denen sich jedes Land mit seinen Eigenheiten vorstellen sollte. Typisch deutsche Tänze und Musik fanden wir sehr schwierig, deshalb versuchten wir es mit deutschen Erfindungen: das Auto, MP3 und Fußballschuhe. Damit fielen wir ein bisschen aus dem vorherrschenden Folklore-Rahmen, aber wir hatten Erfolg und ernteten viel Beifall!
 
 
Auf die responsibilities folgten am nächsten Tag, diesmal in language groups, sogenannte actions. Was muss getan werden, um den Fortbestand des Planeten angesichts der anstehenden Probleme zu sichern? Wir formulierten eine Reihe von actions und trafen uns nachmittags in Workshops, um zu weiteren Themen zu arbeiten. Einen der Workshops leitete Herr Jarrath, unterstützt von den facilitators aus Deutschland, Neuseeland, Kolumbien, Sri Lanka und den USA. Keine ganz leichte, aber eine spannende Aufgabe, einen Workshop in zwei Sprachen, Englisch und Spanisch, zu veranstalten, die beiden facilitators aus Kolumbien und den USA waren zum Glück gute Übersetzer.
 
 
An der charter of human responsibilities wurde intensiv gearbeitet.
 
Am Mittwoch, dem 9. Juni, fuhr eine Delegation von Konferenzteilnehmern nach Brasília, zum Nationalkongress, dem brasilianischen Parlament, um vor den Abgeordneten des Bildungsausschusses die Ergebnisse unserer internationalen Konferenz vorzustellen. Einer von uns Trierern, Max Jochem, war in diese Delegation hineingewählt worden. Ein sehr besonderes Erlebnis, vor brasilianischen Abgeordneten über Let’s Take Care of the Planet sprechen zu dürfen!!!
 
 

Präsentation der charter of human responsibilities beim brasilianischen Nationalkongress.
 
Am Donnerstag, dem 10. Juni, kam der Höhepunkt: Die globale charter of human responsibilities war fertig und wurde am Morgen feierlich von den Teilnehmern verabschiedet. Nachmittags fuhren wir alle mit vielen Bussen ins Regierungsviertel nach Brasília, zum Nationalkongress, um die charter of human responsibilities zu übergeben. Wir alle versammelten uns auf der großen Rasenfläche vor dem Parlamentsgebäude, und dann übergab eine kleine Delegation von Konferenzteilnehmern, darunter wiederum einer von uns Trierern, Moritz Weis, die charter of responsibilities dem Parlamentspräsidenten.
 
Brasília bei Nacht
 
Wir haben in sechs Tagen sehr viel und sehr produktiv gearbeitet, gefeiert, getanzt, gelacht und noch viel, viel mehr, und das alles in einer einzigartigen, multikulturellen, friedlichen, äußerst fröhlichen Atmosphäre. Vielleicht ist dies das wichtigste Ergebnis, die wichtigste und großartige Erfahrung für uns alle, die wir aus so vielen verschiedenen Winkeln dieses einen Planeten zusammengekommen sind in der brasilianischen Hauptstadt: Vielfalt macht viel Spaß und ist eine große Bereicherung, und trotz aller sichtbaren und unsichtbaren Unterschiede haben junge Menschen weltweit sehr viele Gemeinsamkeiten, ganz egal, ob sie aus Brasilien oder Deutschland, aus Sri Lanka oder Singapur kommen!
 
Die Delegierten treffen sich zu einer feierlichen Abschlussveranstaltung in der Nationalbibliothek in Brasília
 
Und wir alle finden, dass es eine sehr gute und wichtige Idee ist, Verantwortung zu übernehmen, auf unseren Planeten sehr gut aufzupassen, jetzt und in Zukunft. Let’s Take Care of the Planet!
 
 
Nachbereitung
Nach der Konferenz ist leider nicht vor der Konferenz. Die Konferenz in Brasília war von ihrer Art und in ihrer Dimension ein vorläufig einmaliges Ereignis. Sie hat uns viele neue Kontakte, tolle neue Ideen und außergewöhnliche, gute Erfahrungen geliefert, für Agenda 21 NOW!, für unser Comenius-Projekt und mehr.
 
Wir sind sehr froh und dankbar, dass wir die Möglichkeit hatten, daran teilzunehmen.
 
Martin Jarrath
Max Jochem, 8a
Moritz Weis, 7a
 
 
Weblinks:
 
Let’s Take Care of the Planet, 5.-10. Juni 2010, Konferenzwebseite
 
Charter of Human Responsibilities Let’s Take Care of the Planet, das Ergebnis der Konferenz in Brasilien
 
European Conference zur Vorbereitung auf die Konferenz in Brasilien
 
Agenda 21 NOW! Internationale Internet-Konferenz für Schülerinnen und Schüler
 
UNESCO-Projektschulen in Deutschland
 
The Baltic Sea Project within UNESCO ASPnet