Projekttage der 10. Klassen

Im Januar finden Jedes Jahr die Gedenktage der zehnten Klassen des HGT anlässlich des am 27. Januar stattfindenden Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus statt.

Die Schüler haben dabei die Wahl zwischen verschiedenen Projekten, in denen sie sich unterschiedlich mit dem Holocaust und anderen Verbrechen der Nationalsozialisten befassen. 


Gedenktage 2019

Erinnerung – Verantwortung – Chancen 

Die Aula war dunkel. Am Eingang erleuchteten Teelichter schwach den Raum. Sie waren in der Form der Symbole der Opfer des Nationalsozialismus aufgestellt. Die Aula füllte sich. Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10, Eltern und Lehrer setzten sich auf die Stühle. Dort fanden alle je ein Blatt mit der Kurzbiographie eines Trierer Opfers und der Abbildung des dazugehörenden Stolpersteines und mit dem Leitsatz des Abends: „Die Erinnerung an die Vergangenheit bewahren, die Verantwortung für die Zukunft übernehmen, die Chancen der Zukunft nutzen.“

Der Kurzfilm „Spielzeugland“ stimmte auf die Gedenkveranstaltung ein. Sie bildete den Abschluss von zwei intensiven Tagen, in denen sich die Jahrgangsstufe 10 in verschiedenen Projekten anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus am 27.Januar mit der Geschichte des  NS besonders in Trier auseinandergesetzt hatte.
Wichtig war an den Tagen nicht allein die Beschäftigung mit der Geschichte, sondern auch dass die Fragen angegangen wurden, was man aus ihr für die Gegenwart und die Zukunft lernen kann.

Text: Marianne Fusenig, Helia Firousbakht, Iosif Cesara, Dominik Dengler 

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Fahrt zur Gedenkstätte des SS-Sonderlagers Hinzert

Im Rahmen der Projekttage der zehnten Klassen zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus sind wir mit Herrn Alt zur Gedenkstätte des Konzentrationslagers (KZ) Hinzert gefahren. Getroffen haben wir uns wie gewöhnlich um 7.50h in der Schule, wo uns Herr Alt erstmals über KZs im Allgemeinen informierte. Um 9.15h holte uns der Bus ab und brachte uns in einer 30-minütigen Fahrt zur Gedenkstätte. Dort angekommen wurden wir von Steffen Reinhard, der uns den Tag über begleitete, in Empfang genommen. Er war früher selbst Geschichtslehrer, arbeitet nun allerdings schon seit 10 Jahren in der Gedenkstätte. Bis um 11.30h bekamen wir eine Einführung in das Thema mithilfe eines sogenannten „Geschichtskoffers“, in welchem besondere Relikte bezüglich des KZs verwahrt werden. Außerdem befassten wir uns mit Zeitzeugenberichten des ehemaligen KZ-Häftlings Peter Hassall, mit welchem wir den Ablauf und Alltag im SS-Sonderlager erfuhren. Nach einer zehnminütigen Pause besichtigten wir das Gelände, präziser ausgedrückt eine Kapelle, einen in Gedenken an die vielen Opfer des KZs errichteten Friedhof und den ehemaligen Standort des KZs selbst. Die Baracken, sowie andere Überreste des KZs sind heute allerdings nicht mehr erhalten. Danach schlossen wir Peter Hassalls Lebensgeschichte ab und besichtigten die Ausstellung, welche Zeitzeugeninterviews, Täter- und Opferprofile sowie alte Kleidung und andere Überbleibsel der ehemaligen Inhaftierten umschloss. Anschließend bearbeiteten wir alte Häftlingsakten und das Gerichtsurteil des ehemaligen HGT-Schülers Andreas Hoevel. Nach einer ausführlichen Besprechung der erarbeiteten Ergebnisse fuhren wir um 14.30h mit dem Bus zurück zum HGT. 

Am darauffolgenden Vormittag fassten wir unsere neu gewonnenen Erkenntnisse in einer PowerPoint-Präsentation zusammen.

Abschließend können wir sagen, dass wir viel Neues gelernt haben, da das Projekt sehr interessant, informativ, aber streckenweise leider etwas trocken war. Desweiteren sind uns viele erschütternde und berührende persönliche Schicksale begegnet. Insgesamt war das Projekt eine tolle Erfahrung und hat uns sehr bereichert.

Text: Jule Voss und Amelie Reutlinger

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Nationalsozialistischer Terror in Trier

Im Rahmen der Gedenktage am HGT, hat sich unser Projekt mit dem nationalsozialistischen Terror in Trier beschäftigt.  Zunächst haben wir uns im Internet und in Büchern über verschiedene Denkmäler und über Gebäude und ihre Funktion im Nationalsozialismus und heute Zeit informiert. Danach haben wir uns in Kleingruppen zusammengefunden und jeweils mit einem dieser Gebäude bzw. einigen dieser Gedenkstätten befasst. Für aktuelle Fotos sind wir in die Stadt gegangen. Anschließend haben wir unsere Ergebnisse in einer Präsentation zusammengefasst um einen Vergleich zwischen früher und heute darzustellen.

Text: Sarah Thevenin, Marie Illgen, Gabriel Maser

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Literarische Bewältigung

Auch in diesem Jahr hat Herr Brinschwitz sich, zusammen mit uns, seinen Schülern, in seinem Projekt „Literarische Bewältigung“ auf eine ganz besondere Weise mit dem NS-Terror auseinandergesetzt.
Mittwoch morgens begann das Projekt mit einer Einführung in das Thema. Wir hinterfragten den Sinn der Gedenk- und Erinnerungskultur und insbesondere den unserer Projekttage, die das HGT jährlich, anlässlich des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar, organisiert. Auch stellten wir uns die Frage nach Schuld und Vergessen: Was haben wir, einige Generationen später, überhaupt noch damit zu tun? Müssen wir uns - als Deutsche – besonders betroffen fühlen? Bei dem Punkt, dass sich ein solches Grauen, wie zu Zeiten des NS-Regimes, nie mehr, auch nur ansatzweise, wiederholen darf, waren wir uns einig. Wir kamen zu dem Schluss, dass wir zwar keine explizite Schuld an dem damaligen Geschehen, jedoch dafür eine große Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft, tragen.
Anschließend schauten wir uns die einstündige Spiegel-TV Dokumentation zu NS-Ideologe Heinrich Himmler an, die aufgrund von Originalaufnahmen und Bildern realistisch und umso beeindruckender wirkte.
Nach dieser eindringlichen Einführung widmeten wir uns dem Kern des Projekts, dem Gedicht „Todesfuge“ von Paul Celan. Mit diesem Werk hatte der Rumäne versucht, seine Erlebnisse während der NS-Zeit und in einem Arbeitslager zu verarbeiten. 1970 nahm sich Celan das Leben. 
Nach kurzer Interpretationsphase begannen wir, das Gedicht auf unterschiedlichste Weise vorzutragen und entdeckten, was für eine große Wirkung Betonung und Geschwindigkeit während des Vorlesens auf den Zuhörer haben kann. Nach kurzer Diskussion einigten wir uns schließlich auf einen einheitlichen Weg des Vortragens und fanden uns in Gruppen zusammen. So war es uns möglich, Celans Werk – gemäß dem Titel – in Form einer Fuge, also mehrstimmig, zu präsentieren. Die Tatsache, dass jede der Gruppen zu einem anderen Zeitpunkt mit dem Vortrag begann, erzeugte ein unübersichtliches Stimmengewirr. Dies sollte die absurde Situation, die unfassbaren Erlebnisse und das Leid der Opfer, in so etwas Simplen wie einem Gedicht, zum Ausdruck zu bringen, repräsentieren.
Von nun an übten wir zahlreiche Male das Vortragen des Gedichts, und setzen diese Übungsphase auch am Donnerstagmorgen fort. Bei der Gedenkfeier am Abend gelang es uns, Celans Werk wie beabsichtigt zu präsentieren. Auch nach Ende der Veranstaltung sorgte unser Auftritt für Gesprächsstoff. Wir hatten einige Fragen aufgeworfen - und doch ein klares Zeichen gesetzt. 

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Widerstand in Trier

An den Gedenktagen beschäftigte sich unsere Gruppe mit einem Widerstandskämpfer namens Reinhold Lofy, der aus Trier kam. Nachdem wir uns in das Thema mithilfe eines Textes und eigener Internetrecherche eingearbeitet haben, unterteilten wir sein Leben in verschiedene Abschnitte und befassten uns näher mit diesen. 
Jede Gruppe fasste die einzelnen Lebensabschnitte zusammen, die wir später in einem Video dargestellt haben. 

►Link zum Video

Sein Leben haben wir mit sogenannten Scribbles, kleinen Comicfiguren, die das Video animieren, dargestellt. Dabei haben wir uns nicht nur mit Lofys Leben beschäftigt und gelernt, wie wichtig Widerstand gegen Hass, Unterdrückung und Gewalt war und noch heute ist, sondern auch eine andere Form der Präsentation mithilfe neuer Medien kennengelernt.

Text: Gruppe „Widerstand in Trier“

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Propaganda zur Zeit des Nationalsozialismus

Im Projekt  Künstlerische Auseinandersetzung haben die Schüler an den zwei Tagen die Plakatkunst während der Zeit des Nationalsozialismus kennengelernt. Besonders auffällig war, dass damals die Plakate sich hauptsächlich auf wenige, ständig wiederholende Schlagwörter und prägnante Lösungen konzentrierten. Diese sollten das Volk (den Bürger?) vom scheinbar rettenden und heilversprechenden NS-Regime überzeugen.
Im Gegensatz dazu schauten wir uns auch die moderne Plakatkunst am Beispiel von Werbeplakaten an. Daraus ließ sich schließen, dass die Plakate anders aufgebaut sind. Es gibt Plakate, die gegen Negatives oder gerade für etwas Positives werben. Anschließend sollten wir Themen finden, für die wir selbst werben möchten und dies in einem Plakat umsetzen. Dabei entstanden sehr gelungene und ausdrucksstarke Plakate Auf Leinwand zu den Themen: Umwelt, Toleranz, Individualität, Meinungsfreiheit, Demokratie und besseres Leben. 
Auch dieses Jahr wieder war das Projekt eine gute und kreative Vertiefung für die Schüler an den Gedenktagen.


Text: Naomi Kohls
 

 

Gedenktage 2018

GEMEINSAM AUS ERINNERUNG LEBENDIGE ZUKUNFT GESTALTEN
Vom 24.01. bis zum 25.01. war am Humboldt-Gymnasium-Trier kein normaler Unterricht für die Jahrgangsstufe 10. An diesen zwei Tagen fanden die alljährlichen Projekttage zum Thema „Verfolgung zur Zeit des Nationalsozialismus“ statt. Die Projekttage, die normalerweise immer am „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ (27.01.) enden, fanden in einer Gedenkfeier am 25.01. ihr Ende. An dieser Gedenkfeier, ebenfalls in einem Projekt organisiert, haben die Schüler ihre Projekte und Ergebnisse vorgestellt.

BESUCH DER GEDENKSTÄTTE HINZERT UND AUFARBEITUNG
Während der Gedenktage für die Opfer des Nationalsozialismus, besuchte eine kleine Gruppe Schülerinnen und Schüler unter der Leitung von Herrn Alt die Gedenkstätte/SS-Sonderlager Hinzert. Beim Ankommen am Sonderlager wirkte dieser Ort recht normal, da nichts mehr von dem Lager zu sehen ist. Doch nach einer kurzen Weile änderte sich dieser Eindruck durch die Darstellung vom Lageralltag und den unmenschlichen Taten, die dort geschehen sind. Wir haben uns den Ehrenfriedhof, die Sühnekapelle und das Mahnmal genauer angeschaut. Im Informationszentrum haben wir uns verschiedenen Täterprofilen beschäftigt. Nach dem Besuch in Hinzert fuhren mit Informationen und Emotionen zurück und besprachen am nächsten Tag unsere Eindrücke und Erfahrungen.

Text: Berkay Tutus

STOLPERSTEINE IN TRIER - STEINE GEGEN DAS VERGESSEN
In unserem Projekt „Stolpersteine“ haben wir uns zusammen mit Frau Benner mit den unter dem NS-Regime verfolgten Opfern unserer Schule beschäftigt.
Am ersten Tag ging es auch schon direkt mit unseren Forschungen los. Als erstes überlegten wir uns, wie wir verfolgte HGT-Schüler ausfindig machen konnten, und kamen zu dem Entschluss, die Schulakten einzusehen. Nachdem wir Kopien aus dem Bestand des Schularchivs bekommen haben, stießen wir – eingeteilt in Kleingruppen - auch schon auf Schüler, die von dem NS-Regime auch hier vor Ort brutal verfolgt wurden. Anschließend setzten wir uns ausgiebig mit der Biographie der uns zugeteilten Jugendlichen auseinander und lernten mehr über ihr Leben und trauriges Schicksal kennen.
 
Am nächsten Tag stand ein Besuch des Schularchivs an. Dort bekamen wir die Möglichkeit, in sehr alten Dokumente zu stöbern und fanden auch alte Fotos und Chroniken, durch welche wir viel über unsere Schule erfuhren.
 
Im Anschluss bereiteten wir unsere Präsentationen für die Gedenkfeier vor, mit welchen wir am nächsten Tag direkt weiter machten. Jede Gruppe erstellte eine Power-Point-Präsentation für den jeweiligen HGT-Schüler, der einst ein normaler Jugendlicher zum Opfer des Unrechtsregimes wurde. Außerdem erkundigten wir uns über die Stolpersteine im Allgemeinen.
An der Gedenkfeier präsentierten wir die Schicksale der ehemaligen Schüler unseren Mitschülern und Lehrern.
Zusammengefasst haben den Schülern aus unserem Projekt die Gedenktage sehr gut gefallen, da wir durch die vielen persönlichen Bezüge viel über die NS-Zeit und ihre Opfer gelernt und viele bewegende Geschichten geteilt haben, die auf diesem Wege weiter erzählt werden und somit in Erinnerung bleiben.

Text: Laura Peters

DEN TERROR LITERARISCH BEWÄLTIGEN?
Im Projekt ,,literarisches Bewältigen" haben wir uns, unter der Leitung von Herrn Brinschwitz, mit dem Gedicht „Todesfuge“ auseinandergesetzt. Die Todesfuge wurde 1944 von Paul Celan (1920-1970) geschrieben und gehört zu den bedeutendsten Gedichten der deutschen Kriegsliteratur. Sie thematisiert, mit Hilfe lyrischer Mittel, die Judenvernichtung zur Zeit des Nationalsozialismus.
Zu Beginn des ersten Tages haben wir uns mit der Frage beschäftigt, warum wir im Jahr 2018 immer noch der Befreiung des KZ Auschwitz gedenken; einem Ereignis, das 73 Jahre zurückliegt. In diesem Zusammenhang haben wir geklärt, was das Wort „Holocaust“ bedeutet, woher es kommt und wofür das Synonym „Shoa“ steht. Nachdem wir die Antworten auf unsere Fragen gefunden hatten, haben wir die drei Aspekte des menschlichen Wesens betrachtet: Den Geist, die Seele und den Körper. Hierbei ist uns aufgefallen, dass das Gedenken alle drei Aspekte fordert. Unsere Überlegungen ließen sich mit folgendem Satz von George Santayana zusammen: „Wer sich des Vergangenen nicht erinnert, ist verurteilt, es noch einmal zu erleben.“
Später befassten wir uns mit der von Schicksalsschlägen geprägte Biografie Paul Celans. In der NS-Zeit fügten die Nationalsozialisten Paul Celan großes psychisches und physisches Leid zu, da er während seiner Inhaftierung in einem Arbeitslager schrecklichen Gräueltaten ausgesetzt war. Sein Leben lang versuchte Celan mit Hilfe von Gedichten die grauenhaften Erlebnisse zu verarbeiten, was ihm schlussendlich nicht gelang; er ertränkte sich 1970 in der Seine.
Anschließend haben wir uns eine Dokumentation über Heinrich Himmler und den Holocaust angesehen. Wir waren alle sehr betroffen. Der Film hat unsere spätere Interpretation der Todesfuge, der wir uns erst am frühen Mittag gewidmet haben, stark beeinflusst. Um einen Einstieg in den Text zu bekommen, haben wir erst mehrere Male zusammen laut gelesen und sind dann in die Feinarbeit der Artikulation und der Dynamik gegangen. Hierbei hat es uns viel Zeit und Mühe gekostet, unser Interpretation des Gedichtes zu finden. Um die Mehrstimmigkeit der Fuge zu betonen, haben wir uns in drei Gruppen aufgeteilt, die zeitversetzt begonnen haben, die Todesfuge laut zu sprechen.
Am zweiten Tag sind wir die Todesfuge noch mehrere Male durchgegangen und haben an unserer Interpretation gefeilt. Für die Gedenkfeier am Abend haben wir sie noch einmal final in der Aula geprobt, wobei sich unsere drei 6ruppen, für eine optimale Akustik, an verschiedenen Stellen der Aula positioniert haben. Am Mittag endete unsere Vorbereitung und wir kamen erst abends wieder zu einer Aufführung zusammen.
Niemand von uns hatte gedacht, dass uns die Gedenktage so berühren würden. Wir haben zusammen Momente der Trauer, der Fassungslosigkeit, der Sorge, des Zorns, aber auch der Freude erlebt.

Text: Justus Wilson

KÜNSTLERISCHE AUSEINANDERSETZUNG – DAS UNSAGBARE INS BILD BRINGEN
Anlässlich der Holocaust-Gedenktage 2018 haben wir uns im Projekt „Lebenswege – Künstlerische Auseinandersetzung“ mit den verschiedenen Opfergruppen des NS-Terrors sowie einzelnen Schicksalen beschäftigt.
Nachdem wir uns unterschiedliche Denkmäler, z.B. das Holocaust-Mahnmal in Berlin, angeschaut haben, haben wir uns überlegt, was für uns zu einem „normalen“ Lebensweg gehört: Stationen wie Geburt, Einschulung, Schulabschluss, Hochzeit und letztendlich auch der Tod, aber vor allem auch Hobbys und Leidenschaften, die Familie und Emotionen.
Wir haben uns Opfergruppen, z.B. politisch Verfolgte, Homosexuelle, „Asoziale“, Kinder oder auch KZ-Insassen im Allgemeinen, oder verfolgte und ermordete Einzelpersonen, z.B. den Kommunisten Johann Schirra, ausgesucht. Unter der Frage, wie wir das Schicksal der Personen oder der Opfergruppen so künstlerisch darstellen können, dass das Werk den Betrachter zum Nachdenken anregt, sind sehr verschiedene Malereien und Plastiken entstanden, die wir in der Gedenkfeier unseren Mitschülern präsentiert haben.
Durch das Auseinandersetzen mit Einzelschicksalen wurde das Leid der Verfolgten viel deutlicher als im Geschichtsunterricht, da man dort wenig über die Identität der Opfer erfährt, sondern sich eher mit Fakten beschäftigt.

Text: Marie Thielen

SINN UND FORMEN DES GEDENKENS?
Das letzte Projekt war das Organisationsprojekt. Wir haben uns vor allem mit der Frage: „Wie kann man eine würdige Gedenkfeier gestalten?“ beschäftigt. Wir haben eine Rede vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog und Zitate von Opfern der Konzentrationslager gelesen, uns Bilder aus Konzentrationslagern und einen Kurzfilm zum Holocaust gesehen. Mit diesen Grundlagen haben wir die Gedenkfeier vorbereitet. Wir haben uns ein Motto ausgedacht, eine Begrüßungsrede geschrieben und uns eine Gestaltung für die Aula überlegt. Außerdem haben wir uns überlegt, wie die Gedenkfeier besonders werden kann. Dabei sind wir auf die Idee gekommen, ein paar der anderen Schüler auszuschließen und an schlechtere Plätze zu setzen.
Weil wir im Gegensatz zu den anderen Projekten, eine sehr kleine Gruppe waren, konnte man gut über Ideen diskutieren und auch andere Meinungen hören.

Text: Max van Wersch/Florian Fürstenberger 

Gedenktage 2017

W i r   h a b e n   k e i n e   S c h u l d ,   a b e r   e i n e   V e r a n t w o r t u n g .

Projekttage der 10. Klassen zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

In diesem Jahr hatten die Schüler die Möglichkeit, sich künstlerisch oder literarisch mit dem Thema auseinanderzusetzen, außerdem konnten sie in einem Projekt die Gedenkstätte KZ Hinzert besuchen, ein Projekt befasste sich mit den Stätten des NS-Terrors und in einem anderen wurden die Biografien der Täter und Opfer aus Trier genauer untersucht.
 
Ein weiteres Projekt übernahm die Organisation der Gedenkfeier, die die Projekttage seit ihrer ersten Auflage abschließt. Dieses Projekt stand unter der Leitung von Herrn Jakobs, der seit den ersten Gedenktagen an für diese sowie für dieses Projekt verantwortlich ist. Das Besondere aber war, dass er uns Schülern zwar Anregungen und Denkanstöße, aber auch sehr viel Freiraum bei der Planung gab. Die Planung war nicht das Einzige, womit wir uns beschäftigten, zuerst gingen wir der Frage nach, warum wir, eine Generation, die mit den Gräueltaten des NS zum Glück nichts am Hut hat, überhaupt noch gedenken müssen. Die Antwort auf diese Frage, die wir auch an den kontroversen Reden Roman Herzogs sowie Björn Höckes zu diesem Thema erarbeiteten, wurde auch gleichzeitig das Motto der Veranstaltung (siehe oben). Aus Interesse führten wir auch eine kleine Befragung in der Trierer Innenstadt durch, die ein ernüchterndes Ergebnis brachte: keiner der Befragten wusste, was es mit dem 27. Januar auf sich hatte. Noch viel schockierender waren allerdings die Aussagen eines Passanten, der sich abfällig über behinderte Menschen äußerte. Unsere Überlegungen und auch unsere Erfahrungen dienten uns anschließend als Grundlage für die Konzipierung der Gedenkfeier. Die anderen Gruppen präsentierten ihre Ergebnisse, aber auch wir teilten unsere Erfahrungen mit der restlichen Stufe. Wir hatten uns entschlossen, unsere Mitschüler in sechs Gruppen einzuteilen, die stellvertretend für die diversen Opfer(gruppen) des NS-Terrors standen. Dabei achteten wir darauf, Freunde und Cliquen so gut es ging auseinanderzusetzen, damit der NS-Terror greifbarer wurde. Angeordnet wurden die sechs Gruppen so, dass sich jede Gruppe an einer Spitze eines Davidsterns befand, den wir zuvor mit Klebeband auf den „gezeichnet“ hatten. Das Ganze trieben wir auf die Spitze, indem drei von uns den Moderator während der Veranstaltung „verhafteten“, wie es einst die Gestapo mit zahlreichen „unerwünschten“ Menschen getan hatte. Bei der Veranstaltung war unsere Stufe stiller, als wir es erwartetet hatten, was uns zu dem Schluss führt, dass die Feier sehr gut gelungen und das Thema gut vermittelt worden ist. Begleitet wurde die Veranstaltung von Musik aus dem hebräischen Kulturkreis, die Schüler und Lehrer zwischen den einzelnen Präsentationen darboten.
 
Text: Bálint Niehl (10d)
 
Gedenkstätte Hinzert
 Anlässlich des Gedenktages an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz befasste wir, die Jahrgangsstufe 10 des Humboldt-Gymnasiums-Trier, uns mit diesem Abschnitt der Geschichte und gedachten den Opfern des Nationalsozialismus.
Eine kleine Gruppe von Schülerinnen und Schülern besuchte unter der Leitung von Herrn Brüning und Herrn Scholz die Gedenkstätte „SS-Sonderlager/ KZ-Hinzert“, um einen Einblick in die damaligen Ausmaße des Nationalsozialismus in unserer Region zu erhalten. Nach dem Eintreffen in der Gedenkstätte wirkte der Ort eigentlich relativ normal entgegen unseren Vorstellungen, da von dem damaligen SS-Sonderlager keine Überreste mehr erkennbar waren Doch nach einer kurzen Einführung über den Lageralltag und die unmenschliche Behandlung von Häftlingen änderte sich die Atmosphäre schlagartig und ließ uns das gesamte Gelände aus einer anderen Sichtweise erblicken. Trotz der Informationen über Opfer, denen wir gedachten und trotz der verschiedenen Quellen von Überlebenden viel es uns nach etwas mehr als 70 Jahren schwer uns in die Opfer hineinzuversetzen.
 
Ebenso wie Opferschicksale behandelten wir an diesem Ausflug auch die Täterprofile und die Bekanntheit des Lagers zu der damaligen Zeit. Später legte unsere Gruppe ein größeres Augenmerk auf das heutige Gelände und versuchte die besondere Bauweise der Gedenkstätte zu verstehen. Überwältigt von Informationen und Emotionen fuhren wir zurück zur Schule und besprachen am Folgetag unsere gewonnen Eindrücke.
Insgesamt wurde uns in der Gedenkstätte gezeigt, dass auch 72 Jahre nach Räumung des Lagers bei uns noch Spuren des Nationalsozialismus zu finden sind. Institutionen wie die Gedenkstätte SS-Sonderlager/ KZ-Hinzert helfen unsere Region aus einem anderen, weiteren Blickwinkel zu sehen und halten so ein Stück auch meiner Geschichte lebendig.

Text: Johannes Tölle (10b)
 
Projektbericht über „Literarische Bewältigung“
In dem Projekt „Literarische Bewältigung“ mit Herr Brinschwitz sind wir, acht Schüler aus den verschiedenen Klassen der zehnten Stufe, näher auf das Thema „Das Unsagbare in Worte fassen“ eingegangen. 
In unser Projektthema sind wir mit aktuellen Themen eingestiegen, haben eine Dokumentation angeschaut und sind schließlich auf eine wichtige Frage gekommen:
Wie will man über etwas schreiben oder von etwas erzählen, wofür es keine Worte gibt?
Worte, die mit ihrer Bedeutung an das reichen können, was zu jener Zeit passiert ist, gibt es nicht und wird es wohl nie geben. Trotzdem gibt es Personen, die schreiben. Personen, die versuchen in Worte zu fassen. Personen, wie Paul Celan.
Der am 23.November 1920 geborene Lyriker versuchte in Werken wie „Die Todesfuge“, seine Vergangenheit zu verarbeiten. Liest man das Gedicht, könnte man auch meinen, der Lyriker habe einen Weg gefunden, jedoch scheint dies nicht der Wahrheit zu entsprechen. Am 20.April 1970 beging er Suizid.
Mit dem Ziel, der zehnten Stufe „die Todesfuge“ möglichst angemessen vorzustellen, befassten wir uns also mit den Fragen, wann wir z.B. was betonen oder welchen Ausdruck wir wo übermitteln wollen. Wir hoffen, dass uns mit dem Vortrag des Endergebnisses gelungen ist, auch die weniger literarisch Interessierten zu fesseln und zum Denken anzuregen. Ich, und da werde ich auch im Namen aller Schüler, die an dem Projekt teilgenommen haben, sprechen können, bedanke mich dafür, die Möglichkeit gehabt zu haben, diese Erfahrungen zu machen und Neues aus dem Bereich zu lernen.

Text: Katrin Schartz (10a)
 
Täter und Opfer
In unserem Projekt „Täter und Opfer“, geleitet von Frau Weidenbach beschäftigten wir uns mit verschiedenen Personen der NS –Zeit und fassten deren Biographie sowie Sichtweise und Ausübung zur NS zusammen.
Dazu verteilten wir uns in Gruppen und jede Gruppe suchte sich einen Täter oder ein Opfer der NS-Zeit aus.
Nachdem wir den ersten Tag damit verbrachten, dass wir uns über die jeweiligen Personen informierten und auch zusammen besprachen, verbrachten wir den zweiten Tag damit zu überlegen, wie wir unser Projekt am Besten vermitteln könnten und entschieden uns zusammen für eine mündliche Präsentation, während wir die wichtigsten Wörter oder Zitate auf einem Plakat hochhielten.
 
Die daraufhin vorgeführte Präsentation und auch die der anderen Gruppen war sehr informativ und ich bin sicher, dass viele an diesen zwei Tagen viel über die NS –Zeit lernen konnten.
 
Unsere Gruppenarbeit hat mir persönlich viel Spaß gemacht" da wir nicht nur in unserer kleineren Gruppe arbeiteten, sondern nachdem wir uns alle etwas informiert hatten, immer wieder über „unsere“ Personen austauschten. Auch dass wir alle unsere Meinung/Vorstellung zur Präsentation und generell zu allen Dingen offen sagen konnten, gefiel mir und sicher auch allen anderen sehr gut. Wir alle wurden in dieses Projekt mit einbezogen und am Ende kam ein gutes Ergebnis heraus.
 
Text: Gillian Lorenz (10b)