Gedenktage 2020

Europa, Projekte, Unsere Schule

Zukunft braucht Erinnerung - Projekttage der 10. Klasse anlässlich des Holocaust-Gedenktages

Vor 75 Jahren am 27. Januar wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Wie schon seit vielen Jahren begingen auch dieses Jahr die Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen diesen Tag, den offiziellen Holocaust-Gedenktag, als Projekttage. Sechs Gruppen beschäftigten mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten und mit verschiedenen Zugängen mit diesem schwierigen Thema und führten ihre Ergebnisse in einer eindrucksvollen, ernsten und vor allem auch würdigen Gedenkfeier zusammen, die unter dem Motto „Zukunft braucht Erinnerung“ stand.

Projekt 1: Der Besuch im KZ Hinzert
Am Montagmorgen trafen sich die Projektteilnehmer zunächst in der Schule. 
Herr Brüning erzählte dort von der politischen Lage in der Vorkriegszeit, wie Adolf Hitler an die Macht kam, was zur Errichtung der Konzentrations- und Vernichtungslager führte und wie viele davon, nicht nur in Deutschland, errichtet wurden. Er erzählte recht detailliert, wie es in den Konzentrationslagern zuging und unter welchen Umständen die Menschen dort „leben“ und arbeiten mussten. Basierend auf dem so gewonnenen Wissen in Kombination mit im Geschichtsunterricht angesammelten Materialien arbeiteten wir Schüler/innen die Inhalte der Erzählungen in Gruppen auf.

Nach der Vorbesprechung der Fahrt fuhren wir dann zur Gedenkstätte Hinzert.
Gegen 10:30 Uhr bei der Gedenkstätte angekommen, erwartete die Schüler ein in zur idyllischen Umgebung wenig passendes Gebäude: Die Gedenkstätte Hinzert. Diese wurde zur Erinnerung an die Qualen der im damaligen Konzentrationslager gefangenen Menschen errichtet, was sich schon in der Architektur widerspiegelt: Die Asymmetrie in der Architektur der Gedenkstätte ist ein Sinnbild dafür, dass das Leben der Gefangenen keine Ordnung und Geradlinigkeit mehr kannte.
Vom damaligen Konzentrationslager sieht man heute nichts mehr, denn das Lager wurde von den Franzosen nach 1945 aufgelöst, das gepachtete Gelände dabei an die Besitzer zurückgegeben.

Nach einer Begrüßung durch den Tourleiter im Dokumentationszentrum der Gedenkstätte saßen die Schüler in einem Kreis. In der Mitte dieses Sitzkreises befand sich ein geschlossener Koffer, der, wie auch das restliche Gebäude, die Neugierde der Schüler weckte. In diesem Koffer befanden sich persönliche Gegenstände, die das schwere und qualvolle Leben der Inhaftierten symbolisierten. Dazu gehörte beispielsweise ein Rasierer, der dafür stand, dass die Insassen vor der Aufnahme im Konzentrationslager sämtliche Haare und Körperhaare abrasiert bekamen.

Weiter gehörte dazu ein Brief; denn für die Gefangenen war die Post von ihrer Familie sehr wichtig: Dies war es nicht nur, um Kontakt halten zu können, sondern auch um die Kraft zum Überleben zu finden, denn die Nahrungsrationen der Insassen waren kaum ausreichend, um überleben zu können. Der Tourführer verteilte der Gruppe Mappen, die einzelne Lebensgeschichten der Insassen des Konzentrationslagers enthielten. Die unmenschlichen Lebensbedingungen der nach Hinzert deportierten Menschen, die Foltermethoden und die Kleidung der Gefangenen waren genauso dokumentiert, wie der Aufbau des Lagers, die Taten SS-Männer, die Sichtbarkeit des Lagers und der dort verübten Verbrechen für die Bevölkerung der Umgebung.

Nun verließen wir das Gebäude, um uns den Ehrenfriedhof zu betrachten, unter denen exhumierte KZ-Insassen beerdigt sind. Durch den Regen beeilten wir uns schnell zur Kapelle, der zwischen den Bäumen hervorragte. Früher als Gedenkstätte und Trauerort für die Angehörigen und Überlebenden, dient sie heute hauptsächlich als Erinnerung an die wenige Hoffnung, die den Inhaftierten blieb. Auch die handgeschnitzte Maria-Figur, die ein Überlebender nach seinem Freikommen, für die Sühnenkapelle angefertigt hatte. Nach einer kleinen Pause hatten wir die Gelegenheit, die Dauerausstellung zu betrachten. Die Ausstellung gab uns Einblicke in die Geschichte des Lagers in den Jahren von seiner Gründung 1939 bis zu seiner Befreiung 1945, den Lageralltag, die Schicksale der Deportierten, die Morde und den Umgang mit dem Verbrechensort nach 1945. Auch die Täter, ihre Verbrechen und die Strafverfolgung in der Nachkriegszeit sind in einem Themenbereich abgebildet. 

Beeindruckend für uns waren neben den Informationstexten zu diesen Themen, die Interviews mit den Zeitzeugen, die selbst in das KZ Hinzert deportiert worden. Der Tourgate ging dabei auf jede Frage ein. Da er sich seit Jahren mit der Thematik befasst und in seiner Tätigkeit beim Förderverein viele ehemalige Gefangene des KZs und deren Angehörige persönlich kennengelernt hat, waren seine Berichte sehr detailliert und lebendig, und es schwangen stets mahnende Töne mit. Mit sehr bewegenden Worten erzählte der Herr uns von den schlimmen Hinrichtungen von vielen Insassen. Dieses Schicksal stimmte uns besonders  nachdenklich.

Ganz interessant waren die Dokumente von zwei Ehepartnern, die ebenfalls in unterschiedliche KZs deportiert worden waren, und letztendlich hingerichtet worden sind, auf Grund der Tatsache, gegen ein Gesetz verstoßen zu haben. Und zwar das Abhören ausländischer Radiosender.

Nach ca. 5 Stunden ging es wieder zurück nach Trier. Insgesamt hat uns der Besuch der Gedenkstätte einen tiefen Eindruck hinterlassen. Während des Besuchs kämpften wir mit unseren Emotionen und wir wussten eins, dass so etwas nie wieder passieren darf.
Unser größter Dank gilt Herrn Reinhard, der uns mit viel Fachwissen und mit seiner sehr freundlichen und direkten Art einen Teil unserer Geschichte nahe gebracht hat, für den die heutigen Generationen keine Verantwortung mehr tragen, die wir aber nie vergessen dürfen.
Hiermit gedenken wir aller Opfer des KZ Hinzert. Wir gedenken mit dem Kopf und fühlen mit unserem Herzen.

Text: Dicle Ates und Ezgi Albayrak 10 A

Projekt 2: Ernst Lossa – Ein Einzelschicksal des Euthanasieprogramms
In unserem Projekt mit dem Thema „Ernst Lossa – ein Einzelschicksal des Euthanasie-Programms im Film und in der Realität“ haben wir uns mit der Ermordung von geistig oder körperlich behinderten Menschen zur Zeit des Nationalsozialismus auseinandergesetzt. Zusammen haben wir den berührenden Film ,,Nebel im August´´ gesehen und uns mit den Charakteren beschäftigt. Der Film handelt von dem Schicksal eines Jungen namens Ernst Lossa, der wegen Diebstahls und verhaltensauffälligem Verhalten in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren kommt. Dort durchschaut er, dass die Patienten, die angeblich an zum Beispiel Lungenentzündungen verstarben, eigentlich vergiftet wurden. Er ist mutig und zettelt Aufstände an, rettet das Leben einer Patientin und konfrontiert den Direktor. Am Ende des Filmes wird auch Ernst durch eine Spritze getötet.
Gemeinsam haben wir in der Klasse Vergleiche zum Leben des echten Ernst Lossa gezogen. Dieser hat, so wie andere Charaktere des Films, wirklich existiert. Zusätzlich zu dem individuellen Schicksal haben wir uns auch allgemein mit dem Thema NS-Euthanasie beschäftigt. Auch an der Meinung der Einwohner Triers zu diesem Thema waren wir interessiert, weshalb wir eine Straßenumfrage in der Innenstadt gemacht haben. Diese haben wir zusammen mit den anderen gelernten Informationen an einer Gedenkfeier in der Schule vorgestellt.
Meiner Meinung nach war das Projekt sehr lehrreich und interessant. Ich finde Aufklärung ganz besonders in dem Bereich wichtig und in diesem Projekt gut gelungen. Das Arbeitsklima war sehr angenehm und trotz Produktivität entspannt und persönlich. 

Text: Greta Frössler, 10 A

Projekt 3: Stätten nationalsozialistischen Terrors in Trier
Am Montag, dem 27. Januar, und Dienstag, 28. Januar, gab es im Rahmen der Projekttage der 10. Klassen zum Holocaust-Gedenktag auch das Projekt „NS-Terror in Trier“. Unsere Gruppe hat sich mit den Auswirkungen des Regimes in Trier befasst und hat auch versucht, einen Bezug zur heutigen Welt herzustellen. Dabei haben wir viel Neues erfahren, wie z.B. dass Trier ab 1943 keine jüdischen Einwohner mehr hatte oder dass das Haus am Balduinsbrunnen der Hauptsitz der Gestapo war. Aber nicht nur die neu erlangten Informationen haben uns ein besseres Verständnis über diese grauenhafte Zeit ermöglicht, sondern dieses Grauen in unserer Heimatstadt erkennen lassen. 
Das Projekt hat uns diese Zeit näher gebracht und uns erfahren lassen, wie es unseren ehemaligen Mitbürgern erging. Es war sehr bedrückend und hat uns gezeigt, dass wir weiter viel darüber sprechen müssen. 
Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass unsere Generation zwar keine Schuld trägt, wir aber für die Gegenwart und Zukunft Verantwortung tragen und deshalb der Millionen Opfer weiter würdevoll gedenken müssen.

Text: Carmen Klar 10 C

Projekt 4: Literarische Auseinandersetzung – Paul Celan, Die Todesfuge

Im Rahmen der Gedenktage des HGT am 27. und 28. Januar 2020  hat sich die Gruppe von Herrn Brinschwitz ausführlich mit dem Lyriker Paul Celan und seinem Gedicht "Die Todesfuge" beschäftigt.
Paul Celan war ein Überlebender eines Konzentrationslagers zur NS-Zeit, der mittels seiner Gedichte versuchte, all seinen unbeschreiblich schrecklichen Erlebnissen innerhalb seines Aufenthalts in dem Lager Ausdruck zu verleihen und diese zu verarbeiten. Dies scheiterte jedoch schlussendlich: er beging im Alter von 50 Jahren Selbstmord.

Um uns vorerst in das Thema einzuarbeiten, haben wir die ersten Stunden damit verbracht, über den Holocaust bzw. Shoa zu reden und haben uns diesbezüglich auch mit der Aktualitätsfrage auseinandergesetzt. Anschließend wurde von Herrn Brinschwitz ein informativer Film über das Leben von Heinrich Himmler gezeigt und schlussendlich endete der erste Tag mit einigen Worten zu Paul Celans Person und dem ersten Einlesen in sein Gedicht.
Wie wir mit der Zeit feststellten, verbarg "Die Todesfuge" deutlich mehr Geschichte, als man beim ersten Durchlesen verstehen konnte. Mit jedem Vortragen brachten wir unter der Anleitung unseres Lehrers mehr und mehr Leben in den Versen und Strophen zum Vorschein und bereiteten uns auf diesem Weg Stück für Stück auf die abendliche Präsentation des Gedichtes am 28.1. vor.

Text: Theresa Finsterwalder 10 B

Projekt 5: Das Unsagbare ins Bild bringen - Kunst-Projekt 
Im Kunstprojekt unter der Leitung von Frau Apel standen die Analyse einiger Propagandaplakate aus der NS-Zeit, sowie die Gestaltung eines Gegenplakates, im Mittelpunkt. 
In einer kleinen Gruppe von sieben Schüler*innen setzten wir uns morgens am ersten Tag mit Frau Apel an einen Tisch und  begannen zunächst einmal damit Propagandaplakate der NSDAP zu analysieren und zu besprechen. Mit welchen Farben und Symbolen wurde hier gearbeitet? Wie und aus welcher Perspektive wurden die abgebildeten Personen dargestellt? Wie wurde die schriftliche Aussage visualisiert und abstrahiert? Das waren die grundlegenden Fragen, die wir an die Plakate richteten. Dabei stießen wir auf Themen wie etwa die Vorherrschaft des Vaters in der Familie bzw. des Mannes in der Gesellschaft allgemein (Patriarchat), sowie die konsequente Ausgrenzung und Verhetzung von Minderheiten und „nicht-lebenswerter“ Menschen wie  beispielsweise psychisch/physisch Behinderter, Homosexueller sowie Sinti und Roma.
Es ist schockierend, wie geschickt man den Menschen unterschwellig und doch sehr präsent die NS-Ideologie indoktrinierte. 
Nach einigen bedrückten Momenten des Schweigens begannen wir Ideen für Gegenplakate zu sammeln und Skizzen anzufertigen.  Dabei fragten wir uns: Was ist grundlegend für eine funktionierende Demokratie und eine freie, offene Gesellschaft?  Brüderlichkeit, Nächstenliebe, die Individualität jedes einzelnen und Menschenwürde waren nur einige zentrale Themen, die uns dabei in den Sinn kamen. Als jeder die für ihn wichtige Kernaussage gefunden und vorab schon einmal skizzenhaft festgehalten hatte, ging es auch schon an die Leinwände. Jeder suchte sich einen freien Platz im Raum und begann mit der Vorskizze und mit der farblichen Gestaltung mit Acrylfarben. 
Am nächsten Tag trugen wir, nach dem Beenden unserer Kunstwerke, selbige samt Staffeleien in die Aula und bereiteten, nach kurzer Absprache zur Präsentation, alles für die Gedenkfeier am Abend vor. 
Allen Teilnehmern – mich eingeschlossen - war es eine neue und lehrreiche Erfahrung  uns künstlerisch kreativ mit dem Gegensatz Nationalsozialismus und Demokratie auseinanderzusetzen. 

Text: Lilyane R. Simon,  10c

Projekt 6: Heute noch gedenken? - Zukunft braucht Erinnerung  
Vor 75 Jahren fand die schreckliche NS-Diktatur ein Ende und das Konzentrationslager Auschwitz wurde aufgelöst. Millionen von Menschen wurden gefoltert und umgebracht, ganze Städte zerstört und auch das letzte bisschen Hoffnung der Menschen war verschwunden. Unsere heutige Generation ist natürlich zu jung, um die Gräueltaten der Nazi-Herrschaft miterlebt zu haben, jedoch wissen wir alle welche grausamen Dinge damals passiert sind. Doch nehmen wir es auch richtig ernst? Warum sollten wir? Wir tragen doch keine Schuld mehr für all das, es ist nicht mehr „unsere Angelegenheit“. Können wir unsere Vergangenheit nicht einfach loslassen?
Mit dieser Frage haben sich einige Schüler der zehnten Klassen und Herr Jakobs während der zwei Projekttage zur Gedenkfeier beschäftigt. Im Zuge dessen haben wir uns verschiedene Dokumente, politische Reden und Zitate, Aussagen von Zeitzeugen sowie einen Kurzfilm angeschaut, die uns zu dem Entschluss brachten, dass man dieses Thema betreffend deutlich zwischen Schuld und Verantwortung unterscheiden muss. Keiner von uns trägt mehr irgendeine Schuld für diese grausamen Taten und doch sollten wir alle aus der Vergangenheit lernen, Verantwortung dafür übernehmen und alles dafür tun, um solche unmenschlichen Vergehen in der Zukunft zu verhindern.
Wehret den Anfängen. Zukunft braucht Erinnerung.

Text: Marlene Köllisch 10 C

Anwesende Eltern äußerten sich über die Gedenkarbeit:
Schon vor der Aula war die Wichtigkeit des Gedenkens an den Holocaust zu spüren, da verschiedene Geschichten und Bilder aus dem 2. Weltkrieg von der Decke hingen.
Um in die Aula zu kommen, musste man durch diese Darstellung hindurch und ich befand mich mittendrin.
Es folgten dann sehr gute Darbietungen aus verschiedener Sicht, um diese schrecklichen Taten aus der Vergangenheit ins Gedächtnis zu bringen.
Alle Schülergruppen haben einen lebhaften und emotionalen Abend gestaltet, der mir sehr gut gefallen hat.
Ich finde es überaus wichtig, sich immer wieder damit zu befassen und daraus zu lernen und seine Stimme … zu erheben, wenn Ungerechtigkeit geschieht, und um Schwächeren zu helfen.
Herzlichen Dank an das gesamte Team.

Bianca Leyendecker

Die Gedenkfeier der 10. Klassen des HGT am 28.01.2020 hat mich persönlich sehr bewegt und beeindruckt. Gut gefallen hat mir besonders, dass viele verschiedene Aspekte von den einzelnen Arbeitsgruppen angesprochen wurden, wie z.B. Rückblicke in diese Zeit, Geschehnisse in Trier und unmittelbarer Umgebung, Kunst, Propaganda, Lyrik, sowie Film - und Musikbeiträge.
Gerade in unserer heutigen Zeit ist es so wichtig, die Erinnerung an diese schreckliche Zeit aufrecht zu erhalten, zumal es auch bald keine Zeitzeugen mehr geben wird, die aus dieser Zeit berichten können. Das HGT leistet mit dieser wiederkehrenden Veranstaltung einen wertvollen Beitrag dazu.

Martina Bohr

Fotos: Dicle Ates, Jann Leyendecker, Elisabeth Apel

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