Vortrag über Jakobsweg sprüht vor Authentizität und Humor

Jörg Haag
Jörg Haag
Erasmus+ Projektkoordination: Sarah Bock, Karin Lenerz
Fleißige Helfer aus der 10c: Jephta G., Dora A. , Carmen K. und John W.
Tarta de Santiago
Hausmeister Richard Spang verwöhnte die Zuhörer mit selbstgemachter Paella
Europa, Projekte, Unsere Schule

Erasmus+

Trierer Jörg Haag über seine Erlebnisse auf dem Camino Francés

„Der sieht aber nicht wie ein Pilger aus!“, flüstert eine Neuntklässlerin ihrer Freundin zu, als sie am vergangenen Mittwoch in der Aula des Humboldt Gymnasiums mit rund 80 weiteren Schülern, Eltern und Lehrern Platz nehmen, um Jörg Haag und seinen Erlebnissen auf dem Jakobsweg zu lauschen. 

Aber wie sieht denn ein typischer Pilger aus? 1,90m groß, bärige Statur, Vollbart, tätowierte Unterarme? Denn das ist der Trierer Jörg Haag, zweifacher Familienvater und, wenn er sich eine Auszeit von seiner Tätigkeit als Geschäftsstellenleiter einer Versicherungsagentur nimmt, leidenschaftlicher Jakobswegpilger. Wobei er selbst das Wort „Pilger“ nicht mag, dass klänge so „alt“. Schon zweimal hat sich Jörg Haag auf den Camino Francés gemacht, zwischen der spanischen Stadt Leon und Santiago de Compostela, in Tagesetappen von 20 bis 38 Kilometern. Frisch von der Leber weg, kurzweilig und mit Bildern unterlegt erzählt Jörg Haag dem gebannt lauschenden Publikum von seinem Weg:  Wie er beim ersten Mal einen typischen Anfängerfehler machte und nach einigen Etappen seinen mit 16 Kilogramm viel zu schweren Rucksack um 5 Kilo erleichterte und selbige für ein kleines Vermögen per Post nach Hause schickte.  Dass es nach einem heißen und langen Tag auf dem Weg nichts Köstlicheres als eine eisgekühlte Cola gebe. Wie ein 1,90m großer, bäriger Mann auf einem Berg sitzt, anfängt zu weinen und nichts dagegen tun kann. Dies sind dann die leisen Momente im Vortrag,  die die Zuhörer in den Bann ziehen und sie spüren lassen: Dieser Weg, der macht etwas mit den Menschen, die ihn gehen. „Jeder geht seinen eigenen Jakobsweg, egal wie lang er ist“, meint  Jörg Haag. Und dass dieser Camino auch viel mit unserem Leben zu tun hat, das zeigen Haags Erlebnisse. Abschnitte, die leicht fielen, wechselten sich mit Wegstrecken, die mühsam und qualvoll waren, ab, es gab Abkürzungen und Umwege, es ging bergauf und bergab, körperliche und mentale Grenzen wurden ausgetestet,  und nicht zuletzt waren da die zufälligen Begegnungen mit Menschen aus der ganzen Welt, von denen manche zu andauernden Freundschaften wurden. „Wer den Camino geschafft hat, kann alles schaffen“, da ist sich Jörg Haag sicher. 

Bei köstlicher Paella und leckerer Tarta de Santiago ergibt sich im Anschluss an den Vortrag noch so manches interessante Gespräch. Danach sind sich alle einig – den einen typischen Pilger, den gibt es nicht. Dieser Weg, dieser Camino, verändert Menschen. Jörg Haag jedenfalls ist infiziert. Er plant schon seine nächste Pilgerreise, dieses Mal auf dem Camino Portugues, von Porto nach Santiago.  Ja, und uns, uns hat Jörg Haag auch infiziert …. 

Text: Karin Lenerz

Fotos: Karin Lenerz

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