In April und Mai dieses Jahres fand das allererste Mal ein Austausch des HGT mit der „Pyniki Lukio“ - Schule in Tampere statt. Dabei konnten Schülerinnen und Schüler aus den Leistungskursen Englisch der MSS 12 teilnehmen und empfingen zunächst die Finnen in Trier, bevor es selbst für uns nach Finnland ging.
Die Finnen kamen am 12.04. erschöpft in Trier an, da sie den größten Teil vom Norden Europas mit dem Zug zurücklegten. Dort wurden sie in ihren Gastfamilien begrüßt und sie konnten Teile der deutschen Kultur das erste Mal kennenlernen.
Am folgenden Tag ging es für sie vormittags in die Schule, wo sie den Unterricht beobachten und zahlreiche Unterschiede zur Schule in Finnland feststellen konnten. Nach einem Pizzasnack ging es schließlich für alle in den Eifelblock, wo man auch die anderen Austauschpartner kennenlernen konnte.
Am Dienstag stand eine Exkursion nach Luxemburg an und die Finnen waren sehr begeistert davon, wie schnell man von Trier aus dort ist. In Luxemburg angekomme fuhren wir zunächst zum europäischen Parlament, wo wir im Rahmen eines Planspiels den Gesetzgebungsprozess der EU lernen und verstehen konnten. Anschließend hatten wir ausreichend Zeit, die Stadt zu erkunden und den Finnen die schönsten Stellen bei idealem Wetter zu zeigen, was alle sehr genießen konnten.
Mittwochs ging es nach ein paar Schulstunden für die Finnen in die Innenstadt, wo sie in einer Führung alle wichtigen Orte sehen konnten. Desweiteren nutzten sie die Gelegenheit, den deutschen Döner zu essen, den sie unbedingt probieren wollten.
Am Donnerstag besuchten alle gemeinsam den Petrisberg am Nachmittag. Dort besichtigten wir das geplante Burgunderviertel und erfuhren viel über die baulichen Zukunftspläne in Trier. Anschließend besichtigten wir die anderen Teile des Petrisbergs und viele hatten Spaß beim Volleyballspielen.
Am Freitag und somit auch vorletzten Tag stand nochmal der Besuch der Schule an, bevor es dann eine Abschlussfeier nachmittags gab, wo alle Austauschpartner zusammenkommen konnten. Am Samstag mussten die Finnen schon sehr früh abreisen und wir freuten uns schon alle sehr, sie einen Monat später wieder sehen zu können.
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Einen Monat später konnten wir unsere Austauschschüler dann endlich in Finnland
wiedersehen. Unser Flug ging mittags - allerdings in Frankfurt, wo wir in der Frühe
selbstständig anreisen mussten. Das hat aber trotz einer Verspätung unsererseits (es war diesmal kein Schüler…) gut geklappt. So konnten wir gegen Abend und nach einer weiteren Zugfahrt von Helsinki nach Tampere endlich unsere Austauschpartner*innen wiedersehen und von den Gastfamilien in Empfang genommen werden.
Gleich am nächsten Morgen bekamen wir einen Einblick in das, wofür Finnland weltweit
bekannt ist: ihre Schulen. Allen Erwartungen entsprechend war das Gebäude wirklich sehr schön, modern und gut ausgestattet - unter anderem mit einer Küchenzeile für Schüler, Sitzmöglichkeiten auf den Fluren und schallisolierten Kabinen für einen ungestörten Arbeitsplatz. Auch ein Flügel, der nicht etwa in einem Musikraum, sondern in einem Raum mit Schließfächern zu finden war, sorgte für Erstaunen. Wir sahen wohl sehr irritiert aus, weshalb uns mit einem Schulterzucken erklärt wurde: „Wir vertrauen unseren Schülern!” Das Schulsystem, welches international hoch gelobt wird, sorgte jedoch für gemischte Meinungen unter uns Deutschen. So ist in Finnland die Oberstufe 3, 4 oder sogar 5 Jahre lang, je nachdem, wie die Schüler*innen sich selbst ihre Kurse einteilen. Zudem kann man selbst entscheiden, ob man bereits um 8.15 Uhr Unterricht hat, oder doch erst um 9.40 Uhr…Die Kurse laufen nur 3 Monate, nach denen eine Klausur das gesamte Wissen dieses Zeitraums abfragt. Der Unterricht selbst ist auch deutlich anders konzipiert als in Deutschland, was bei uns gemischte Reaktionen hervorrief. So ist die Unterrichtsbeteiligung nicht entscheidend, und im Unterricht darf geredet oder etwa ausgemalt werden. Uns stellte sich dabei die Frage, ob dieses Schulmodell die finnischen Schüler*innen erfolgreich zur Selbstständigkeit und Eigenverantwortung erzieht, oder ob nach deutschem Vorbild teilweise strengere Ansätze für manche Schüler zielführender wären. So oder so hat uns allen der Schultag sehr gefallen, auch wenn wetterbedingt unsere Wanderung zu einem lokalen Donutladen ausfallen musste. Zum Glück kamen wir trotzdem in den Genuss dieser
zuckrigen Köstlichkeit, da die Backwerke mit Kardamom (Munkki) stattdessen zu uns in die Schule geliefert wurden. Danach konnten wir noch ein Familienmuseum in der Stadt mit wechselnden Ausstellungen erkunden, besonders die Sammlung alter Spielautomaten wurde ausgiebig ausprobiert. Aber auch Fußballfans oder Tierliebhaber konnten interessante Inhalte finden.
Der zweite Tag fand wieder in der Schule statt, aber dort war diesmal kein Unterricht,
sondern Pyynsä-Fest! Bei diesem Musikfest konnten verschiedene Schüler-Bands (teilweise sogar aus weiteren Teilen Finnlands angereist) Lieder diverser Genres aufführen - auf wirklich hohem Niveau! Ein paar von uns wurde sogar ein finnischer Hit-Song gewidmet: „Hei, Supermario“ von Samuell. Klare Hörempfehlung unsererseits, allerdings nur auf finnisch.
Da unser dritter Tag schulfrei war, konnten wir die Zeit mit unseren Austauschschülern frei nutzen. So erkundeten ein paar von uns eine Sky Bar, von der man einen tollen Blick über die ganze Stadt hatte, und ein Museum, in dem nachgestellte Wohnungen einen Einblick in das Leben in Tampere vor 200 Jahren gaben. Am Abend trafen wir uns dann wieder für den wahrscheinlich landestypischsten Programmpunkt - Saunieren! Eine Finnin lud uns netterweise in ihr sehr idyllisches Cottage an einem See ein, wo gegrillt wurde. Die Sauna - ausgelegt auf etwa 4 Personen - lief dabei auf Hochtouren, um je 5-10 Schwitzbegeisterten pro Durchgang die finnische Leitkultur näher zu bringen. Natürlich gehörte dazu aber auch eine Abkühlung im See! Nach über 80° Celsius fühlt sich das jedoch gar nicht mehr so schlimm an… Auch steht bei den (jungen) Finnen in der Sauna nicht wie in Deutschland die Entspannung im Vordergrund. Die Sauna stellt vielmehr einen sozialen Treffpunkt dar, an dem auch gerne mit Freunden gequatscht wird. Man sollte sich wohl nur besser vor dem Sauna-Goblin hüten. So verbrachten wir alle einen wirklich schönen letzten Abend mit guter Gesellschaft, Musik und Spaß.
Am letzten Tag mussten wir allerdings wieder früh raus, um unseren Zug nach Helsinki zu erwischen. Doch dann die Meldung: Flugverkehr vorerst eingeschränkt durch russische Drohneneinsätze. Trotzdem machten wir uns auf den Weg, und bereits gegen Mittag kam die Entwarnung. Trotz der anfänglichen Sorge machten wir uns noch einen schönen Tag in Helsinki mit Sightseeing, Rentierfleischbällchen-Verkostung und second-hand Shopping. Uns allen gefiel Helsinki sehr gut und besonders der imposante Dom stellte ein Highlight dar. Und so schön unsere Reise doch war, endete sie, wie sie begann - mit Verspätung, wodurch wir den Zug Richtung Heimat verpassten, und so im Flughafenbus noch hektische Telefonate bezüglich Elterntaxis geführt werden mussten.
Unser Finnland-Austausch hat uns einiges über die Kultur und Einstellung der glücklichsten Menschen gezeigt - besonders von deren Entspanntheit kann der/die ein oder andere bestimmt noch etwas lernen. Zudem konnten wir feststellen, dass das Programm der Finnen zwar sehr schön und eindrucksvoll, aber vor allem improvisiert war. Das war besonders für unsere Lehrerinnen eine Herausforderung; nicht genau zu wissen, was ihre Schüler*innen eigentlich gerade vorhatten oder wann man sie denn dann wieder sehen würde. Deshalb wurde das Angebot einer eigenen Rückreise nach Helsinki per Hausboot auch kategorisch abgelehnt - Schade. :)
Abschließend wollen wir uns bei allen Organisator*innen und Gastfamilien herzlich für die schöne Zeit bedanken, in der wir Freundschaften schließen und viele neue Erfahrungen sammeln durften. Wir werden diese Reise ganz sicher in guter Erinnerung behalten und hoffen, dass diese Chance auch den Jahrgängen nach uns geboten werden kann.
Da bleibt uns nur zu sagen: Kiitos!
Text: Isabell Wincher und Julian Jackl, MSS 12
Fotos: Melanie Webel, Anne Feld






