Studieren in Frankreich

 

Die Politiker und Wirtschaftsbosse von morgen

Vorstellung der französischen Hochschule „Sciences Po“

 
Viele Schüler haben heutzutage Angst, nach dem bestandenen Abitur und nach einem Hochschulabschluss keinen ausreichend gut bezahlten Arbeitsplatz zu erhalten. Die niedrige Arbeitslosenquote in Deutschland zeigt im Vergleich zu anderen EU-Ländern wie Spanien oder Griechenland, wie gut es unserer Wirtschaft und wie gut somit die Chancen für Arbeitsplatzsuchende in Deutschland sind. Den Französisch-Klassen der neunten und zehnten Jahrgangsstufe und den Französisch-Kursen der Oberstufe wurde am 08. April präsentiert, welche Möglichkeiten ihnen in unserem Nachbarland offenstehen. Dazu besuchte uns Frank Stadelmaier von Sciences Po aus Nancy.
 
Was ist Sciences Po?
Sciences Po ist die Abkürzung für „Sciences Politiques“ – zu Deutsch: Politikwissenschaften. Die Universität besteht aus sieben Campi in ganz Frankreich, beispielsweise in Paris, Reims, Dijon und Le Havre. Gegründet wurde die Hochschule 1872 nach der Niederlage der Franzosen beim deutsch-französischen Krieg 1870/71. Die Franzosen waren der Meinung, dass die Deutschen gewonnen haben, weil sie eine besser ausgebildete Elite besaßen. Dieses Ungleichgewicht zu nivellieren, war seitdem Aufgabe der Sciences Po.
 
Praktische Theorie
Auch heute noch bildet die Universität Studenten aus, die nach ihrem Abschluss direkt in hohe verantwortungsvolle Positionen in der Wirtschaft oder der Politik einsteigen. Beispielsweise studierten dort der ehemalige UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali sowie alle französischen Präsidenten bis auf Nicolas Sarkozy beendeten ihre Zeit bei Sciences Po mit einem Abschluss. Ziele der Hochschule sind erstens eine grundlegende geistige Bildung zu schaffen, zweitens das Auftreten und Sprechen in der Öffentlichkeit zu trainieren und drittens sich Schwierigkeiten und komplexen Zusammenhängen zu stellen.
Die Bachelor-Ausbildung bei Sciences Po beinhaltet Vorlesungen zu den Themen Wirtschaft, Politik, Geschichte, Soziologie und Jura. Hinzu kommen Auslandssemester in einer der 450 Partneruniversitäten, wie in Berlin, Wien, London, New York, Sydney, Shanghai, Peking,… Zusätzlich dient die anschließende Master-Ausbildung auch dazu, sich in einem Bereich zu spezialisieren und Erfahrungen durch Praktika zu sammeln: „Bei uns verbindet sich die akademische Bildung mit der Praxis“, so Stadelmaier.
 
Intimes Studieren
In Nancy, dem deutsch-französischen Campus, studieren jährlich etwa 130 Studenten. Diese seien international, so Stadelmaier. „46% der Studenten kommt nicht aus Frankreich.“ Die größte Gruppe in Nancy seien AbiBac-Schüler. 75% der Sciences Po-Absolventen arbeiten später in der privaten Wirtschaft, der Rest im öffentlichen Dienst und in der Wissenschaft. Für das dreisprachige Programm benötigt man gute Deutschkenntnisse, das Sprachniveau B1 in Englisch und B2 in Französisch. Während des Studiums erhält man in diesen Sprachen Unterricht und hat die Chance, eine vierte Fremdsprache wie Russisch, Arabisch oder Spanisch zu erlernen. Das Auswahlverfahren der Sciences Po beschränkt sich nicht nur auf die Noten, sondern auch auf die Persönlichkeit. Es werde vor allem auf die Aktivitäten außerhalb des Unterrichts geachtet: „Am besten wären natürlich 1,0-Schüler, die nebenbei noch Profisportler sind – dies ist jedoch, keine Frage, die absolute Ausnahme. Wir fragen uns bei dem Auswahlverfahren, was der jeweilige Student zum Uni-Leben beisteuern kann. Macht er Musik, spielt er Theater, treibt er Sport…“, so Stadelmaier. Neben dem Studium bietet der deutsch-französische Campus Möglichkeiten, sich sozial und kulturell zu engagieren. Neben Sportmannschaften, Musik- und Theatergruppen gebe es auch Studenten, die im Krankenhaus Kindern vorlesen oder die sich um Obdachlose kümmern. „In Nancy haben wir eine sehr intime Atmosphäre.“
 
Abschließend danken wir Herrn Stadelmaier für die Vorstellung von Sciences Po und Frau Warner, die diese Veranstaltung organisiert hat. Sie meinte, dass es wichtig sei, sich so viele Zertifikate und Diplome wie möglich ausstellen zu lassen. „Ihr müsst euch später bei solchen Auswahlverfahren von den anderen abheben. Das breite Angebot am HGT bietet euch die Möglichkeit, also nutzt es!“ Falls nun euer Interesse geweckt sein sollte, findet ihr weitere Infos unter www.sciencespo.fr. Es zeigt sich immer wieder, wie viele Chancen einem geboten werden, wenn man die Augen aufmacht und einmal nach links und rechts schaut. Denn wie ein ironisches Sprichwort besagt: „Nutz eure Chancen ständig, denn du bist länger tot als lebendig.“
 
von Manuel Beh, MSS11