Den Übergang erleichtern und Konflikte regeln: Paten und Streitschlichter am HGT

Vor den Sommerferien gehörte sie zu den Ältesten. Die Grundschule war klein und überschaubar. In jeder Jahrgangsstufe zwei Klassen, selten größer als 24 Kinder.

Nach den Sommerferien hat sich alles geändert: Sie gehört zu den Jüngsten, die Schule ist riesengroß, die Klassen sind etwa 30 Kinder stark, sie muss sich auf alles neu einstellen. Das ist alles andere als einfach. Neue Mitschülerinnen und Mitschüler, neue Lehrer und Lehrerinnen, neue Fächer. Ein großes Gebäude mit langen Wegen. Ein meistens deutlich längerer Schulweg.

Der Übergang von der Grundschule zum Gymnasium ist ganz schön schwer.

Paten als Ansprechpartner

Jedes Jahr vor den großen Ferien treffen sich jetzt schon seit mehreren Jahren interessierte Jugendliche aus den 10. Klassen für einige Tage, um sich vorzubereiten, den Neuen des kommenden Schuljahres den Start an ihrer neuen Schule zu erleichtern und ihnen in der ersten Zeit als Paten zur Seite zu stehen.

In einem von Frau Hering und Herrn Jakobs geleiteten Kurs lernen die jungen Leute in gruppendynamischen Übungen und einem erlebnispädagogischen Training viele Dinge, die sie befähigen, den Kleinen den Start leichter zu machen.

Es wird geplant und vorbereitet, was zu Beginn des nächsten Schuljahres und während des ganzen Jahres über mit den Fünftklässlern unternommen werden kann.

Hier einige Aktionen, die sich in den letzten Jahren bewährt haben:

Führung der zukünftigen HGT-ler am Schulfest vor den Sommerferien

Mitgestaltung des Schultages durch Kennenlernspiele und – übungen

Spielenachmittag vor den Herbstferien

Bastelnachmittag im Advent

Begleitung beim Wandertag, ...

Je nach besonderen Fähigkeiten und der Zeit, die die Paten einsetzen wollen und können, ist noch manch anderes denkbar und in Absprache mit den Klassenlehrern möglich.

     

Kommunikation aktiv gestalten

Die Paten sind neben diesen kleinen Aktionen aber vor allem Ansprechpartner für die kleinen und größeren Probleme, die sich im Schulalltag ergeben (können). Das gilt natürlich auch für die Hilfe bei der Regelung von Konflikten, die es immer wieder gibt.

Deshalb werden die Paten in den Ausbildungstagen auch gezielt eingeführt in Grundtechniken der Mediation (Streitschlichtung). Es werden Gesprächsführungstechniken und Konfliktlösungsstrategien in Theorie und Praxis vorgestellt und in konkreten, aus dem Schulalltag kommenden Situation durchgespielt und geübt.

 

Was bedeutet Streitschlichtung durch Schüler?

Die Paten/Streitschlichter helfen bei kleineren, allenfalls mittleren Konflikten, ohne dass ein Lehrer davon erfährt, dass die Streitenden eine einvernehmliche Lösung ihres Streites finden, bei der die Interessen und Empfindungen aller Beteiligten berücksichtigt werden sollen.

In jeden großen Pause stehen je zwei Paten/Streitschlichter im Elternsprechzimmer, das als Streitschlichtungsraum dient, für ein mögliches Schlichtungsgespräch zur Verfügung. Das Schlichtungsgespräch soll möglichst in der großen Pause (und maximal in den ersten 10 Minuten der 4. Stunde) geführt werden. Nach der Schlichtung, an deren Ende ein „Schlichtungsvertrag“ steht, wird ein Anschlussgespräch zwischen den beiden Streitenden mit ihren Mediatoren vereinbart, um eine Rückmeldung zu erhalten, ob die Betroffenen die getroffenen Vereinbarungen eingehalten haben, ob sie erweitert werden können oder müssen u.ä.

Auch diese Aufgabe der Paten ist erfahrungsgemäß für den Einstieg, aber auch darüber hinaus, für die Schule sehr wichtig. Klassenlehrer, aus deren Klassen Kinder in einem Streit zur Mediation gegangen sind, berichten immer wieder, dass sich durch diese Form der Regelung von kleineren Streitigkeiten in ihres Klassen vieles verbessert hat, sie in ihrer Arbeit unterstützt werden, vor allem aber eine für die Klassen wünschenswerte Gesprächs – und Streitkultur entsteht.

Während des Schuljahres treffen sich die Paten mehrfach, um die Erfahrungen, die sie in den vier Klassen gemacht haben, zu besprechen, sich auszutauschen, weitere Aktivitäten zu planen und sich weiter ausbilden zu lassen.

Als Abschluss der Tätigkeiten als Paten und Mediatoren erhalten die Schüler eine offizielle und detaillierte Bestätigung/Rückmeldung ihrer Arbeit für die Schulgemeinschaft in Form einer Urkunde.

(Ansprechpartner: Tatjana Noé, Norbert Jakobs)