Zukunft braucht Geschichte (Gedenktage 2010)

 

Zukunft braucht Geschichte –

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

 
Seit 1998 begeht unsere Schule den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus  am 27. Januar als Projekttag der 10. Klassen. In klassenübergreifenden Gruppen beschäftigten sich alle Schülerinnen und Schüler mit einem insgesamt sehr breiten Spektrum an Themen.
Der Bogen war weit gespannt: Vom Besuch des im nahen Hochwald gelegenen Konzentrationslagers Hinzert über den Besuch des jüdischen Friedhofs und den Gang zu den Trierer Stolpersteinen bis hin zu der szenischen Umsetzung des Gedichtes „Todesfuge“ von Paul Celan und einer eigenen künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Datum 27. Januar.
Eine letzte Gruppe setzte sich mit der grundsätzlichen Frage nach der Notwendigkeit des Gedenkens für die Jugend heute auseinander und bereitete die Gedenkfeier am Abend in der Aula vor, zu der auch die Eltern der Zehntklässler eingeladen waren.
 
 

Projekt ‚Formen des Gedenkens’

„Die Gestaltung der Gedenkfeier hat Spaß gemacht. Wir haben nicht nur den Ablauf geplant, sondern uns auch damit beschäftigt, wie die anderen Gruppen ihre Ergebnisse präsentieren wollten und haben das koordiniert. Außerdem war unsere Aufgabe, die Aula zu gestalten. Wir mussten uns die Frage stellen, wie wir den Gedanken des Gedenktages mit einfachen Mitteln ausdrücken könnten. So ist die Idee entstanden, einen Davidsstern aus Teelichtern zu bilden, beim Anzünden der Kerzen eine Auswahl der Namen der aus Trier deportierten Juden zu verlesen und auch das Symbol der Schilder auf einzelnen Stühlen mit der Aufschrift ‚RESERVIERT’ und die Nennung weiterer Opfergruppen.“
 
Dennis K.
 
In Erinnerung an die aus Trier deportierten und ermordeten Juden
  

Projekt ‚Stolpersteine in Trier’

 „Zu Beginn haben wir die Idee des Kölner Künstlers Günter Demnig kennen gelernt, um dann die Stolpersteine in Trier aufzusuchen. Wir haben Passanten befragt und mussten feststellen, dass viele Trierer Bürger sich noch nie mit diesem Thema auseinan
 

dergesetzt haben. Da uns vor allem genau das ins Auge gefallen ist und offenbar viele Leute über die Stolpersteine einfach hinwegstolpern, haben wir uns gedacht, unser Projektergebnis in der Gedenkfeier durch ein Rollenspiel zu präsentieren. Dabei sind die Spieler symbolisch über einen Schüler unserer Gruppe gestolpert und haben gesagt, was die Trierer bei unseren Befragungen uns geantwortet hatten

Ich fand die Gedenkfeier sehr informativ und hat zum Nachdenken angeregt.
Insgesamt sollten mehr Menschen sich für Geschichte interessieren.“
 
Alina St.
Rollenspiel Stolperstein
 

Projekt ‚Konzentrationslager Hinzert’

„Hinzert war kein Vernichtungslager, sondern ein Sammellager, das für viele Opfer, v.a. Luxemburger und politische Gefangene, Zwischenstation war. Es wurde am Ende des 2. Weltkrieges fast vollkommen zerbombt. Deshalb ist heute fast nichts mehr von dem Lager zu erkennen. Stattdessen steht dort heute eine Gedenkstelle, die durch die unregelmäßigen Formen ihrer Architektur und die rostrote Farbe bewusst die Idylle der Landschaft stört. In ihr befinden sich Dokumente und Zeitzeugenberichte, Texte, Bilder und Filme, die Stimmung der Gefangenen darstellen. Außerdem sind auf dem Gelände eine kleine Kirche, ein ‚Ehrenfriedhof’, sowie mehrere Denkmäler. Sie alle verdeutlichen die unvorstellbaren Zustände im Lager Hinzert.
Ich habe sehr viel Informationen aus Hinzert mitgenommen und kann nur jedem empfehlen, es sich einmal anzusehen. Die Führung war sehr interessant und hat ungeahnte Einblicke in die damalige Welt ermöglicht.“
 
Lucas B.
 
 
Die Gedenkstätte KZ Hinzert
 

Projekt ‚Jüdische Friedhöfe in Trier’

„Nach einer allgemeinen Einführung war der Schwerpunkt unseres Themas ‚Die Geschichte der Juden in Trier’ und ‚Trauer und Begräbnis im Judentum’. In Kleingruppen haben wir s mit unterschiedlichen Aspekten des Themas auseinander gesetzt und die Präsentation für die Gedenkfeier vorbereitet.
Am Mittwochmorgen haben wir gemeinsam das jüdische Gräberfeld auf dem Trierer Hauptfriedhof besucht, um uns vor Ort eine klarere Vorstellung des Besprochenen zu machen.
Schließlich konnten wir die Informationen für unsere Plakatwand zusammentragen, die in der Gedenkfeier dann vorgestellt und erklärt wurde.“
 
Lorena Th.
 
 
Die Plakatwand "Jüdische Friedhöfe in Trier"
 

Projekt ‚Künstlerische Auseinandersetzung’

„Die Grundidee der künstlerischen Beschäftigung war es, das Datum Samstag 27. Januar1945, den Tag der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee, künstlerisch zu gestalten. Das sollte auf unsere eigene Art und Weise auf einer 80x80 cm großen Leinwand geschehen. Uns war erlaubt, die arabischen, hebräischen, so wie auch die römisch und lateinischen Buchstaben und Zahlen zu nutzen, aber auch die Striche, die die Sträflinge immer im Gefängnis als Zahlen verwendeten. Anregungen haben wir bekommen durch Beispiele von berühmten Malern, die deren Umgang mit dem Thema Zahlen verdeutlichten. Jeder sollte zwar sein eigene Leinwand bemalen, aber in einer Gruppe war es einfacher, Entwürfe zu gestalten. Benutzt wurden die Farben der israelischen und der deutschen Flagge.
Alle Bilder wurden dann in der Aula als Hintergrund für die Gedenkfeier aufgestellt.
Abschließend kann ich sagen, dass mir die Gedenktage sehr viel Freude bereitet haben und ich vieles über das Leben der Juden in Konzentrationslager gelernt habe. Es war einmal etwas anderes, seinen künstlerischen Fähigkeiten freien Lauf zu lassen.“
 
Carolin B.
 
 
Alle Bilder "27. Januar in der HGT-Aula...                           und in der Entstehung
 

Projekt ‚Literarische Bewältigung? - eine szenische Annäherung’

„Unsere Gruppe hat sich literarisch an das Thema herangearbeitet. Mit dem Gedicht ‚Todesfuge’ von Paul Celan (1920-1970) wollten wir an der Gedenkfeier die bedrohliche Stimmung, die in den Konzentrationslagern geherrscht hat, simulieren. Im Vorhinein haben wir uns mit der deutschen Geschichte auseinandergesetzt und festgestellt, dass solch schlimme Taten nicht nur von Deutschen begangen wurden. Leider haben wir erkannt, dass nicht alle aus unserer schlimmen Geschichte gelernt haben und dass es in der Geschichte von verschiedenen Völkern solche Bluttaten gab. Außerdem haben wir uns mit dem Leben von Paul Celan beschäftigt, der selbst im KZ in Auschwitz gewesen war und mithilfe seiner Werke diese schlimme Zeit zu verarbeiten versucht hat. Leider hat er dies nicht geschafft und ist immer mehr in seine eigene irreelle Welt abgedriftet und hat sich dann 1970 in Paris in der Seine ertränkt.“
 
Vanessa M.
 
 
 
„Mit den Menschen wurde beinahe auch die ganze jüdische Kultur vernichtet. Aus dem Grund haben wir für die Gedenkfeier drei jiddische Klezmerstücke eingeübt, Stücke, die z.T. in den Ghettos entstanden sind. Mit den Stücken wurde dann die Gedenkfeier am 27.1. umrahmt. Dafür haben wir uns schon vor dem Projekttag mehrfach getroffen. Die Musik gefällt mir gut und das Üben und Spielen hat mir viel Spaß gemacht.“
 
Fabian M.