Patenausbildung 2014

Paten und Streitschlichter – Brücken zueinander bauen

 
Auch in diesem Jahr wurde die bereits seit 2002 am Humboldt-Gymnasium Trier durchgeführte Ausbildung zum Mediator und Paten angeboten. 17 Schüler wurden aus den vielen Interessenten per Losverfahren für den im Rahmen der erstmals veranstalteten Projekttage stattfindenden fünftägigen Kurs ausgewählt.
 
 
 

Als wir uns schließlich am Montag, dem 14.07.2014, gegenüberstanden, war seit dem Auswahlverfahren schon einige Zeit vergangen und jeder hatte sich schon intensiv Gedanken über die Ausbildung gemacht. Wir alle hatten unterschiedliche Gründe für die Teilnahme des Patenprojekts und somit auch bestimmte Erwartungen an den Kurs und verschiedenste Vorstellungen, wie diese Zeit wohl werden würde.
Uns allen wurde bewusst, wie unterschiedlich und zusätzlich wie fremd wir uns waren, obwohl wir schon gemeinsam sechs Jahre an der Schule verbracht hatten. Doch durch die spielerische Einführung in die Ausbildung, sowie unsere Offenheit zueinander verflog dieses Gefühl schnell, was es uns einfacher machte, konzentriert und mit einem guten Klima zu arbeiten. Schnell bemerkten wir außerdem, dass nicht nur die Einführung aus einem Spiel bestand, sondern dass sich das Spielen wie ein roter Faden durch den gesamten Kurs zog, während der ersten Tage intensiver als während der letzten. Aus diesem Grund erhielten wir bereits am ersten Tag eine Materialmappe mit vielen Vorschlägen von pädagogisch wertvollen Spielen. Wir probierten verschiedenste Arten von Spielen aus, analysierten im Anschluss unser Verhalten während des Spiels, deren Sinn und damit verbunden deren Anwendungsbereich und entschieden danach, ob sie in den 5. Klassen durchgeführt werden sollten oder nicht. Außerdem übten wir die Einführung von Spielen, was nicht so leicht war wie erwartet. Die Spiele, die wir also auswählten und ausprobierten – an einem Tag bereits mit  Kindern aus den damaligen fünften Klassen -, erfüllten aber auch bei uns ihren Zweck und brachten uns schnell einander näher.
 
 
Wir verbrachten eine entspannte und lustige Zeit, hatten viel Spaß, bereiteten zusammen unser Essen in der Pause zu und genossen die freundschaftliche Atmosphäre. Doch wir hatten auch ernste Momente, als wir selbst über schlechte Erfahrungen in der Schule sprachen und diskutierten, verschiedene Situationen bewerteten und unsere Meinung vertraten und Lösungsansätze für Konflikte suchten.
 
 

In den letzten zwei Tagen beschäftigten wir uns intensiv mit der Streitschlichterausbildung, dabei wurden wir von schon im Jahr zuvor ausgebildeten Mediatoren unterstützt, mit denen wir anhand von Fallbeispielen das richtige Verhalten in solch einer Situation übten. Sie gaben uns wichtige und hilfreiche Hinweise und Tipps und erzählten uns von ihren eigenen Erfahrungen. Wir lernten, dass der Schlichter kein Richter ist und dass es darum geht, einen Kompromiss zwischen den Streitenden zu finden und nicht durch Bestrafungen den Konflikt zu lösen. Wir wollen den Kindern vermitteln, dass sie von uns nichts zu befürchten haben, wir würden ihr Verhalten bewerten. Wir wollen nur, dass sie lernen, wie man einen Konflikt behandelt, sodass beide Seiten mit der Vereinbarung zufrieden sind.
Am Ende der fünf Tage waren wir uns alle sehr nahe gekommen. Wir hatten zusammen gelacht, zusammen Lösungen für Aufgaben gefunden, offen über Probleme von Schülern an der Schule geredet und unsere eigenen Erfahrungen mit den anderen geteilt. Wir sind nur nicht vier kleine Teams geworden, sondern auch ein großes. Dementsprechend fiel es uns auch schwer, uns selbstständig in vier Kleingruppen zu einzuteilen, dennoch haben wir uns wie immer gemeinsam auf eine gute faire und durchmischte Aufteilung der Teams festgelegt, mit der wir sehr zufrieden sind. Dennoch liegt uns viel daran, dass wir uns weiterhin als ein großes Patenteam präsentieren und gemeinsame Vorhaben klassenunabhängig umsetzen. So haben wir uns es zum Ziel gesetzt, den von uns frisch gestrichenen und mit neuen Möbeln ausgestatteten Streitschlichterraum weiter zu verschönern und auch den Paten der vorangegangenen Jahrgängen einen Platz in diesem Raum in Form einer „Ahnengalerie“ zu geben. Zusätzlich planen wir Projekte, um Freundschaften zwischen den Parallelklassen zu etablieren, beziehungsweise schon bestehende zu fördern. Daher organisieren wir einmal pro Quartal ein Treffen des gesamten Patenteams und Ausbildern um Erfolge zu besprechen Ideen einzubringen und uns Rat in schwierigen Situationen einzuholen.
 

Schlussendlich möchten wir natürlich noch unseren Ausbildern Frau Noe und Herr Jakobs dafür danken, dass sie uns diese lustige und interessante Zeit ermöglicht haben und uns zeigten, dass auch Lehrer nicht unnahbar sind. Denn direkt zu Anfang vermittelten sie uns das Gefühl, dass wir ihnen auf einer gleichen Ebene begegnen, wodurch wir schnell unsere Schüler - und Lehrer - Rollen verloren und ein gutes und geselliges Arbeitsklima schaffen konnten. Sie hatten immer ein offenes Ohr für unsere Probleme und versuchten alle Vorschläge umzusetzen, die wir hatten, was, zugegeben nicht immer so leicht war. Doch durch das große Zusammengehörigkeitsgefühl, was sich innerhalb unserer Gruppe in dieser kurzen Zeit nicht zuletzt wegen Frau Noe und Herrn Jakobs entwickelt hat, haben wir alle bemerkt, dass wir zusammen auch aufwendige Projekte bewältigen können. Wir haben gelernt, dass gerade durch unsere Verschiedenheit erst ein erfolgreiches Patenteam entstehen kann und auch das zu dem „Patensein“ viel mehr dazugehört, als nur ein offenes Ohr für die Kleinen zu haben. Die Fähigkeiten, die wir in diesen fünf Tagen erworben haben, werden uns wohl noch für den Rest unseres Lebens nützlich sein.
 

Hannah Müller