Kursfahrt Stammkurse Französisch 11

Juin à Paris - c’est un sentiment non-répétable*

Kursfahrt des Französisch- und Franz/Bac-Kurses in die Stadt der Liebe

„Je m'baladais sur l'avenue le cœur ouvert à l'inconnu“ heißt es zu Beginn des Evergreens „Les Champs-Elysées“. Auch der Französisch-Stammkurs und wir, der Franz-Bac-Kurs, wollten während unserer Kursfahrt Neues entdecken und wo geht dies besser, als in einer vielseitigen, bunten Stadt - als in Paris. Die dortige Zeit war für uns, den Bac-Kurs, von dessen Erlebnissen dieser Text erzählt, eine sehr schöne, lustige, aber auch gemeinschaftsstärkende Zeit. Am Ende der Kursfahrt wurde uns schließlich auf eine sehr deutliche und traurige Weise bewusst, warum wir eigentlich Französisch lernen.
 
 
 
Paris - wir kommen!
Um 8:00 Uhr startete der Motor unseres Busses vor dem HGT und unsere fünftägige Fahrt begann. Ohne viel Stau außer auf dem Boulevard Périphérique, was bei einer Paris-Reise Alltag ist, kamen wir am späten Nachmittag in der französischen Hauptstadt an. Freude kam auf, als am Horizont die schneeweiße Kathedrale Sacré Coeur erschien, in deren Nähe wir wohnten. Nachdem die Zimmer im Hotel bezogen waren und wir unsere Métro-Wochentickets gekauft hatten, erkundeten wir unser Viertel Montmatre. Es ging vorbei an der Passe Muraille, einer Wand, aus der ein Mann zu kommen scheint. Angelehnt ist diese Statue an die gleichnamige Novelle von Marcel Aymé, in der der Protagonist M. Dutilleul durch Wände gehen kann. Über den Place de Tertre mit den vielen Straßenmalern kamen wir zu Sacré Coeur, die wir uns fasziniert von innen betrachteten. Der langsam aufkommende Hunger wurde dann mit Käsecrêpes und Falafeln gestillt. Einen schönen Ausklang fand der Tag an der Seine, von wo aus wir einen sich bunt färbenden Abendhimmel beobachten konnten.
 
„La vie en rose“
Der nächste Tag begann mit einem Frühstück, das zwar nicht als vielfältig beschrieben werden kann, aber dennoch lecker und frisch war. Als typisches französisches Petit-Dejeuner gab es Baguette mit Konfitüre. Gestärkt verließen wir das Hotel in Richtung Cimetière du Père Lachaise, dem Promifriedhof in Paris. Nach längerer Suche fanden wir das berühmteste und meist besuchte Grab - das von Jim Morrison, dem Sänger der US-amerikanischen Band The Doors. Dieser starb 1971 an einer Überdosis und reiht sich nach Jimi Hendrix und Janis Joplin in die Liste der mit 27 Jahren verstorbenen Musikgrößen ein. Bevor es zu Oscar Wildes Grab ging, dem keiner unserer Gruppe verbotenerweise einen Kuss aufdrückte, standen wir um das Grab der französischen Chansonsängerin Édith Piaf. Melancholisch und zugleich besonders wurde es, als wir ihren größten Song „La vie en rose“ abspielten. Diese Stimmung zog noch weitere Touristen an, die sich zu uns stellten und den Moment genossen.
 
 
 
Nach einer regnerischen Busfahrt kamen wir dann im Marais an und gingen auf den Place des Vosges. Umrahmt von alten Häusern mit Arkaden erstreckte sich ein kleiner, aber feiner Park mit einer Statue von König Louis XIII. in der Mitte. Bevor wir uns dort setzten und leckere Macarons als Nachtisch verspeisten, probierten wir die wohl beste Falafel von Paris im „As du Falafel“. Nach ein wenig Freizeit trafen wir uns vor dem Centre Pompidou und setzten uns in den Jardin des Tuilleries. Dort standen tausende Metallstühle und -liegen, in denen man gut sitzen konnte, obwohl Kopfstützen das Verweilen noch angenehmer gemacht hätten. Zum Abschluss des Tages fuhren wir zum Trocadéro, von wo aus wir schöne Fotos mit dem Eiffelturm und dem Champ de Mars im Rücken schossen - ein Muss bei jedem Paris-Besuch.
 
Zu Besuch bei Louis XIV.
Regen zeigte sich, als wir am Morgen unsere Vorhänge zur Seite schoben. Zum Glück ging es für uns erst einmal in die RER nach Versailles. Dort angekommen standen wir vor der riesigen Schlossanlage und warteten auf unseren Einlass. Mit Audioguides ließ man uns dann los in die Räume des Königs und der Königin. Besonders beeindruckend war natürlich der Spiegelsaal mit seinen 17 Fenstern und 17 Spiegelfenstern gegenüber, was bewirkt, dass man von jedem Platz im Raum den Garten sehen konnte. Nach dem eineinhalbstündigen Besuch entschieden wir uns noch trotz starkem Regen, in den Garten zu gehen. Beim Apollobrunnen brachen wir dies aufgrund der hartnäckigen Nässe ab. Während wir die Stufen zur obersten Terrasse hinaufstiegen, erhob sich das Schloss mit seiner prächtigen Fassade vor uns. Es war ein beeindruckender Anblick.
Zurück in Paris setzten wir uns in eine Pizzeria im Quartier Latin und stillten unseren Hunger mit guten Pizzen, Salaten und Pastagerichten. Nach ein wenig Freizeit, die auch für einen Besuch im Pantheon, dem Mausoleum der berühmten, großen Franzosen wie Voltaire oder Jean-Jacques Rousseau, genutzt wurde, stand das Louvre auf dem Programm. Für viele war es der erste Louvre-Besuch, weswegen wir in den eineinhalb Stunden v.a. die berühmten Werke aufsuchten. An der Venus von Milo und an der Statue Amor & Psyche vorbei ging es zur Mona Lisa, die zu dieser Zeit glücklicherweise nicht von allzu vielen Menschen umringt wurde. Im Gegensatz zum Gemälde der Königskrönung Napoleon Bonapartes, das eine ganze Raumwand einnahm, wirkte Leonardo da Vincis Portrait klein und unscheinbar. Am Ende blieb die Erkenntnis, dass eineinhalb Stunden für den Louvre überhaupt nicht ausreichen, aber dass sich ein weiterer Besuch auf jeden Fall lohnt. Nachdem wir noch alle einen Saft in einer Bar getrunken hatten, ging es auch für uns zurück zum Hotel, das wir um 23:45 Uhr erreichten. Dabei wurde uns bewusst, dass wir schon 15 Stunden lang auf den Beinen waren - Wahnsinn.
 
Britisches Flair in Frankreich und ein geselliger letzter Abend
Der vierte und zugleich letzte Paristag begann mit dem Besuch der Sainte Chapelle, bei deren Eintritt es wie zu erwarten Probleme mit den schlecht gelaunten, zickigen Kassiererinnen gab. Als wir endlich eintreten durften, eröffnete sich vor uns eine gotische Kapelle, die durch die zwölf Meter großen, bunten Fenster hell erleuchtet war. Auf diesen zeigten sich jeweils dutzende biblische Szenen zusammengesetzt aus tausenden bzw. millionen kleiner Glassteine. Vorbei an der Conciergerie und an der Kathedrale Notre-Dame de Paris kamen wir zum Buchladen „Shakespeare and Company“. In diesem erstreckten sich auf engstem Raum Regale und englisch-sprachige Bücher auf zwei Etagen. Viele kleine Details wie parallel zur Treppe gebaute, schiefe Regalbretter ließen den malerischen Laden zu einem besonderen Highlight werden. Auch wir verewigten uns auf der ersten Etage an einer Pinnwand mit einer Nachricht in dem Laden, der schon von Ernest Hemingway besucht wurde.
 
 
 
Nach einer Pause im Jardin du Luxembourg startete unsere Kirchentour. Die älteste Kirche von Paris Saint-Germain-des-Près war leider für Touristen geschlossen, also versuchten wir unser Glück in der Kirche Saint-Sulpice. Dieses Bauwerk beeindruckte mit einer riesigen, mit Figuren verzierten Orgel und einer sehenswerten Architektur, die uns faszinierte. Trotz der grauen Steine waren die Fenster so gebaut, dass das Sonnenlicht die gesamte Kirche hell erleuchtete. Schließlich betraten wir Sainte-Marie-Madeleine, die von außen durch die vielen Säulen an einen griechischen Tempel erinnert. Nach dem Besuch trennte sich unsere Gruppe, da einige sich in den Tuillerien erholen wollten. Wir restlichen vier inklusive Frau Engel wollten noch einen kleinen Abstecher ins nahe gelegene Regierungsviertel machen - ein Glückfall wie sich gleich herausstellte. Die Rue du Faubourg Saint-Honoré war für alle Fahrzeuge gesperrt und Polizisten standen am Straßenrand Spalier. Vor einem Tor wartete eine Eskorte von Motorrädern. Wir stellten uns an die Absperrungen und beobachteten das Spektakel. Nach zwei Minuten öffnete sich das Tor und ein schwarz-roter Bentley bog in die Straße. Wir trauten unseren Augen nicht, als Queen Elisabeth und Prinz Philip nur zwei Meter mit offenem Fenster an uns vorbeifuhren.
 
 
Unsere Freude und Überraschung kannten keine Grenze. Als wir dann zur Champs-Elysées gingen, begegnete uns das gleiche Bild nur etwas aufwendiger und größer. Polizisten standen in 20-Meter-Abständen in Uniform am Straßenrand und an den Laternenmasten hingen französische und britische Flaggen. Nach einer halben Stunde ertönte Militärmusik und die Eskorte kam die Champs-Elysées vom Arc de Triomphe in Richtung Place de la Concorde herabgefahren. Hinter dutzenden uniformierten Reitern fuhr die Queen zusammen mit François Hollande in einem mickrigen Renault zwischen den wartenden Passanten entlang. Hier war der Abstand zwischen uns und der Queen viel größer als zuvor und auch die Größe der Fenster nahm mit dem französischen Wagen deutlich ab. Nun gesellten wir uns zu den anderen und genossen mit einem Lächeln das schöne sonnige Wetter.
Um 20 Uhr gingen wir dann im Quartier Latin zusammen französisch essen. Ganze vier Stunden saßen wir im Restaurant und genossen das köstliche und für Paris preisgünstige Essen. Zusammen stießen wir auf eine tolle, lustige und informative Woche an. Die Gemeinschaft im Franz-Bac-Kurs hat sehr davon profitiert und einige meinten sogar, dass sie Paris noch nie so lebenswert und schön fanden wie während dieser Tage. Für uns ist sicher, dass es nicht unsere letzte Parisreise bleiben wird. Für die Ausarbeitung des Programmes und die Organisation möchten wir uns bei Frau Engel bedanken, die uns ihr Paris schmackhaft gemacht hat.
 
 
 
Am letzten Tag, dem Tag der Heimreise, wurde uns dann bewusst, warum wir eigentlich Französisch lernen. Wir besuchten die Gedenkstätte der Opfer für die Schlacht von Verdun aus dem Ersten Weltkrieg. Vor uns offenbarte sich eine von Gräben durchsetzte Landschaft mit Bäumen, Häusern und Straßen, die nicht älter als 96 Jahre waren. Ein Film zeigte uns die grausamen Stellungskämpfe auf dem Grund und Boden, auf dem wir standen. Nach dem Abspann herrschte immer noch Stille und Fassungslosigkeit unter uns Schülern. Im Oussuaire, dem Gebeinhaus, stapelten sich vor uns Berge von Knochen, die von rund 130.000 nicht identifizierten Soldaten stammten. Dahinter erstreckte sich ein Friedhof mit 16.000 gefallenden französischen Soldaten - ein Meer aus weißen Kreuzen. Dieser Besuch erinnerte uns daran, dass das Erlernen der französischen Sprache in erster Linie dazu dient, die gute, freundschaftliche Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich zu erhalten, damit der Frieden zwischen den einst so verfeindeten Nationen auch weiterhin bestehen kann.
 
* Frei nach Count Basies „April in Paris“
 

von Manuel Beh, MSS11