Jugendbuchpreis 2013

„Literatur ist die Unsterblichkeit der Sprache.“ (A.W. Schlegel)

Verleihung des rheinland-pfälzischen Jugendbuchpreises „Goldene Leslie“ 2013

 

 

OMG - ROFL - HDL: Seit es das Handy und die SMS gibt, scheint das Sprichwort „In der Kürze liegt die Würze“ ungeahnte Dimensionen angenommen zu haben. Sprachforscher befürchten, vielleicht zu Recht, den Verfall der deutschen Sprache, wenn Jugendliche für „Oh mein Gott“, ein einfaches Lachen oder „Hab dich lieb“ bereits Abkürzungen verwenden. Umso wichtiger ist es, die Bücher wieder als inspirierende und spannende Freizeitgestaltung zu betrachten, damit unsere Sprache nicht ausstirbt, wie es der Schriftsteller August Wilhelm Schlegel bereits im 19. Jahrhundert feststellte. Dies ist ein Ziel des rheinland-pfälzischen Jugendbuchpreises „Goldene Leslie“, der in diesem Jahr an das Buch „Pampa Blues“ von Rolf Lappert verliehen wurde.


 
Zwischen fremden Galaxien und ernsten Themen
Bereits zum zweiten Mal nach 2011 hatte ich die Möglichkeit, als Juror des rheinland-pfälzischen Jugendbuchpreises „Goldene Leslie“ teilzunehmen. Zu den Aufgaben gehörten in diesem Jahr, vier ausgewählte Bücher zu lesen und sich für das beste begründet zu entscheiden. Die Spanne der Genres reichte von einem Fantasieroman über ein Buch im SMS-Stil bis hin zu Geschichten, die die Misshandlung von Kindern thematisieren. Nominiert waren „Die Verratenen“ von Ursula Poznanski, „Edvard. Mein Leben, meine Geheimnisse“ von Zoë  Beck und „Elefanten sieht man nicht“ von Susan Kreller. Doch letztendlich gewonnen hat das Buch „Pampa Blues“ vom Schweizer Drehbuchautor Rolf Lappert.
 
 
Im Folgenden der Klappentext zum Neugierigwerden:
« Der 16-jährige Ben sitzt im verschlafenen Nest Wingroden fest, wo es nicht viel mehr gibt als eine Tankstelle, den Baggersee und die schöne Friseuse Anna. Als der Visionär Maslow Nachrichten von einem UFO verbreitet, um den Ort in eine Pilgerstätte zu verwandeln, taucht Lena mit ihrer Kamera auf. Maslows Plan scheint zu funktionieren. Doch dann treibt das UFO in den Nachbarort ab, Polizei und Presse kommen wegen eines Mordverdachts, Lena ist gar keine Journalistin - und Ben ist verliebt. In seinem ersten Jugendbuch beschwört Rolf Lappert irgendwo in der Pampa eine Schicksalsgemeinschaft aus schrägen Figuren. Mitten darin: der Held Ben, der die Probleme meistern muss, die das Erwachsenwerden und die erste Liebe mit sich bringen. »
 
 
Mit Humor gegen das Schicksal
Besonders gelungen sind dem Autor die ironischen, humorvollen und teils sarkastischen Bemerkungen seines Protagonisten Ben, aus dessen Sicht die Dinge erzählt werden. Alltägliche Probleme und Schicksale finden ihren Platz in „Pampa Blues“, wie die Pflege von Bens demenzkrankem Großvater oder die Monotonie, die sich in jedes Leben unbewusst einnisten kann. Bewusst legt Lappert den Schwerpunkt auf die lustigen Erlebnisse mit dem Demenzkranken und erweckt so teilweise den Eindruck, dass die Pflege keine Last, sondern eine Bereicherung ist. Wenige, witzige Charaktere machen den Charme dieser Geschichte aus, wobei nicht immer durch ulkige Bemerkungen, sondern auch durch die einfache Beschreibung der Situation ein Lächeln auf das Gesicht des Lesers gebracht wird. In meinen Augen ist „Pampa Blues“ ein Buch, das nicht nur für Jugendliche geeignet ist und das ein immer größer werdendes Problem neu beleuchtet, die Demographie - das Altern unserer Gesellschaft.
 
 
Das Lesen im Mittelpunkt
„Ich lese gerne, weil…“ hieß es zu Beginn der Verleihung der „Goldenen Leslie“ im Mainzer Bildungsministerium. Alle Juroren begründeten in einem Satz, warum lesen etwas Besonderes für sie sei. SWR-Moderatorin Sabine Hampel begrüßte im Namen des Literaturbüros Mainz sowohl uns acht Juroren, als auch Autor Rolf Lappert und Bildungsstaatssekretär Hans Beckmann. Neben mir wurden noch zwei weitere Jurorinnen vorne in einer Talk-Runde über unsere Lesevorlieben und unsere Arbeit in der Jury interviewt. Nachdem Lappert eine kleine Kostprobe seines Romans vorgetragen hatte, diskutierten wir gemeinsam über die Charaktere, den Schreibstil und die skurrile UFO-Geschichte. Wir erfuhren, dass die Handlung von „Pampa Blues“ eigentlich für einen Kinofilm mit Matthias Schweighöfer in der Rolle des Ben verwendet werden sollte. Da jedoch der Darsteller des Großvaters unerwartet starb, kam der Film nie zustande. Unsere Standpunkte festigten wir mit unseren eigenen Lieblingsstellen aus „Pampa Blues“. Zu guter Letzt überreichte Staatssekretär Beckmann den rheinland-pfälzischen Jugendbuchpreis an Rolf Lappert. Dieser ist mit 2000 Euro dotiert und besteht aus einer Urkunde und einer kleinen Statue der Leseratte. Lappert betonte, dass diese Auszeichnung etwas Besonderes für ihn sei, da sie von Jugendlichen, der Zielgruppe seines Buches, vergeben wurde.
 
Wie die Resonanz nach der Verleihung der „Goldenen Leslie“ zeigte, ist das Medium „Buch“ bei Jugendlichen noch nicht gänzlich in Vergessenheit geraten. Auch wenn vermehrt Abkürzungen, anstatt deutsche Sätze versendet werden, lassen sich Jugendliche immer noch gerne durch ein gutes Buch in eine andere Welt beamen. Um ein gutes Buch zu finden, können solche Auszeichnungen wie die „Goldene Leslie“ helfen, denn wie der französische Philosoph Michel de Montaigne sagte: „Es ist leichter ein Buch zu behalten, als das was drinnen steht.“
 
von Manuel Beh, MSS11
 
  
Quellen: