Internationale Schülerbegegnung der Großregion 2017

Wir sind Europa

8 Schülerinnen und Schüler des HGT trafen sich mit Jugendlichen aus allen Ländern der Größregion in Brüssel zu einer internationalen Schülerbegegnung.

Genau in dem Moment, als sich Theresa May in Brüssel mit ihrem Brexit-Antrag aus der Europäischen Union verabschiedet, nähern wir uns der europäischen Hauptstadt. Hier kommen wir mit Jugendlichen aus der Großregion zusammen, um drei Tage lang gemeinsam den europäischen Gedanken zu leben. Gemeinsam mit knapp 70 Schülerinnen und Schüler aus Frankreich, Belgien, Luxemburg und Deutschland diskutieren wir über aktuelle Herausforderungen für die Staatengemeinschaft und entdecken Brüssel nicht nur als Sitz europäischer Institutionen, sondern auch als Stadt des Comics und besonderer kulinarischer Spezialitäten.

Nach einer kurzen Begrüßung startet das politische Programm mit dem Schwerpunkt Migration. In einem Vortrag bekommen wir einen Einblick in die Geschichte der Wanderungsbewegungen in Europa und die aktuellen Rahmenbedingungen. Durch Zeitungsartikel und einen eindringlichen Film wird uns allen klar: Hinter Flucht und Migration stehen unzählige interessante Persönlichkeiten, die unsere Gesellschaft bereichern. Umso wichtiger ist es, die Einzelschicksale zu sehen und allen die beste Lösung anzubieten. Dies kann nur gelingen, wenn die Länder der Europäischen Union sich auf eine gemeinsame Migrationspolitik einigen und an einem Strang ziehen.

Bei unserem nächsten Programmpunkt steht zunächst nicht das Miteinander im Mittelpunkt: Aufgeteilt in Gruppen aus den teilnehmenden Städten treten die Schülerinnen und Schüler bei einer Stadtrallye gegeneinander an. Ausgerüstet mit Stadtplan und Fragebogen spüren wir verschiedene Orte auf, an denen wir jeweils Fragen zu Geschichte und Gesellschaft Brüssels beantworten. Der Sieg unserer „Humboldt-Pinguine“ macht die anschließende Preisverleihung zu einer besonderen Aussprache-Herausforderung für die französischsprachige Programmleiterin.

 

Der zweite Tag startet mit einem Besuch im Europäischen Parlament. Nach einer Einführung in die europäischen Institutionen sind wir kurz zu Gast in einer Ausschusssitzung, wo gerade eine Abstimmung stattfindet – einer der wenigen Augenblicke während unseres Aufenthaltes, in dem nicht französisch, sondern englisch gesprochen wurde. Die Diskussionen in den anschließenden Workshops zum Thema Migration finden ausschließlich auf Französisch statt. Wir haben ganz schön Mühe, uns stundenlang etwa über Migration in der Karikatur auszutauschen. Als einige von uns schließlich selber Comics zu Migration zeichnen dürfen, sind zumindest bei diesen die Sprachbarrieren überwunden.

Nach einem ganzen Tag voll politischer Diskussionen und fremder Sprachen fallen wir nicht etwa vor Erschöpfung direkt ins Bett. Im Gegenteil: Am Abend wird in der Jugendherberge munter weiter über Politik geredet. Die Wahlen in Frankreich sind der perfekte Anknüpfungspunkt, denn bei der Abstimmung geht es genau um die Themen, die uns in Brüssel bewegen: Migration, Nationalismus, Europa. Die französischen Schülerinnen und Schüler erklären uns, wer alles kandidiert und welche Programme die Personen jeweils verfolgen - natürlich auf Französisch.

Bei einer Stadtrundfahrt sowie einem Stadtrundgang am letzten Tag haben wir auch noch Gelegenheit, Brüssel aus zwei anderen Perspektiven kennenzulernen. Diesmal geht es nicht um die Hauptstadt Europas, sondern um eine europäische Metropole mit ihren Besonderheiten, aber auch ganz gewöhnlichen Problemen: So stehen wir bei der Stadtrundfahrt die Hälfte der Zeit im Stau. Irgendwann schaffen wir es dann doch noch bis zum Wahrzeichen der Stadt, dem Atomium. Und ganz nebenbei erfahren wir, was das Essen in Belgien ausmacht: So gut wie in Frankreich und so viel wie in Deutschland, meinte unser Busfahrer.

Kulinarisch geht es auch bei unserem Stadtrundgang weiter, der uns in eine Gasse mit unzähligen Waffelständen führt. Wir müssen natürlich probieren und feststellen: belgisches Essen ist nicht nur viel, sondern zuckersüß. Im Mittelpunkt der Stadtführung steht allerdings eine andere Besonderheit Brüssels: An Hauswänden entdecken wir überall großflächige Comics, darunter viel Unbekanntes, aber auch Vertrautes wie die Schlümpfe oder Tin Tin, bei uns besser bekannt als Tim und Struppi. Damit ist auch gleich das passende Mitbringsel klar: ein Heft von Tin Tin - natürlich auf Französisch.

Auf der Rückfahrt nach Trier lassen wir gemeinsam mit den Luxemburger und Saarländer Schülerinnen und Schülern die gemeinsamen Tage Revue passieren. Erstmals sprechen wir wieder längere Zeit deutsch und sind ein wenig enttäuscht, weil wir in Brüssel doch nicht alles verstanden haben. Der Aufenthalt hätte ruhig länger und die verschiedenen Nationen besser gemischt sein können, um sich besser kennenlernen und verständigen zu können. Aber dafür bietet auch die Rückfahrt noch mal Gelegenheit. Und so kommen wir nicht nur mit jeder Menge Eindrücken nach Trier zurück, sondern auch mit vielen neuen Freundschaften in Europa.

 

Hannah Arnold,

Humboldt-Gymnasium Trier