Gedenktage 2018

Gemeinsam aus Erinnerung lebendige Zukunft gestalten

Vom 24.01. bis zum 25.01. war am Humboldt-Gymnasium-Trier kein normaler Unterricht für die Jahrgangsstufe 10. An diesen zwei Tagen fanden die alljährlichen Projekttage zum Thema „Verfolgung zur Zeit des Nationalsozialismus“ statt. Die Projekttage, die normalerweise immer am „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ (27.01.) enden, fanden in einer Gedenkfeier am 25.01. ihr Ende. An dieser Gedenkfeier, ebenfalls in einem Projekt organisiert, haben die Schüler ihre Projekte und Ergebnisse vorgestellt.
 
Motto der Gedenktage: "Aus der Erinnerung lebendige Zukunft gestalten."
 
Besuch der Gedenkstätte Hinzert und Aufarbeitung
Während der Gedenktage für die Opfer des Nationalsozialismus, besuchte eine kleine Gruppe Schülerinnen und Schüler unter der Leitung von Herrn Alt die Gedenkstätte/SS-Sonderlager Hinzert. Beim Ankommen am Sonderlager wirkte dieser Ort recht normal, da nichts mehr von dem Lager zu sehen ist. Doch nach einer kurzen Weile änderte sich dieser Eindruck durch die Darstellung vom Lageralltag und den unmenschlichen Taten, die dort geschehen sind. Wir haben uns den Ehrenfriedhof, die Sühnekapelle und das Mahnmal genauer angeschaut. Im Informationszentrum haben wir uns verschiedenen Täterprofilen beschäftigt. Nach dem Besuch in Hinzert fuhren mit Informationen und Emotionen zurück und besprachen am nächsten Tag unsere Eindrücke und Erfahrungen.
Berkay Tutus
 
Gertrud Schloss (Dichterin, Sozialistin und Lesbierin); Künstlerin: Amelie Stülb
 
Stolpersteine in Trier - Steine gegen das Vergessen
In unserem Projekt „Stolpersteine“ haben wir uns zusammen mit Frau Benner mit den unter dem NS-Regime verfolgten Opfern unserer Schule beschäftigt.
Am ersten Tag ging es auch schon direkt mit unseren Forschungen los. Als erstes überlegten wir uns, wie wir verfolgte HGT-Schüler ausfindig machen konnten, und kamen zu dem Entschluss, die Schulakten einzusehen. Nachdem wir Kopien aus dem Bestand des Schularchivs bekommen haben, stießen wir – eingeteilt in Kleingruppen - auch schon auf Schüler, die von dem NS-Regime auch hier vor Ort brutal verfolgt wurden. Anschließend setzten wir uns ausgiebig mit der Biographie der uns zugeteilten Jugendlichen auseinander und lernten mehr über ihr Leben und trauriges Schicksal kennen.
 
Am nächsten Tag stand ein Besuch des Schularchivs an. Dort bekamen wir die Möglichkeit, in sehr alten Dokumente zu stöbern und fanden auch alte Fotos und Chroniken, durch welche wir viel über unsere Schule erfuhren.
 
Im Anschluss bereiteten wir unsere Präsentationen für die Gedenkfeier vor, mit welchen wir am nächsten Tag direkt weiter machten. Jede Gruppe erstellte eine Power-Point-Präsentation für den jeweiligen HGT-Schüler, der einst ein normaler Jugendlicher zum Opfer des Unrechtsregimes wurde. Außerdem erkundigten wir uns über die Stolpersteine im Allgemeinen.
An der Gedenkfeier präsentierten wir die Schicksale der ehemaligen Schüler unseren Mitschülern und Lehrern.
Zusammengefasst haben den Schülern aus unserem Projekt die Gedenktage sehr gut gefallen, da wir durch die vielen persönlichen Bezüge viel über die NS-Zeit und ihre Opfer gelernt und viele bewegende Geschichten geteilt haben, die auf diesem Wege weiter erzählt werden und somit in Erinnerung bleiben.
Laura Peters
 
Titel: "Was übrig bleibt"; Künstlerin: Ioana Nescovici
 
Den Terror literarisch bewältigen?
Im Projekt ,,literarisches Bewältigen" haben wir uns, unter der Leitung von Herrn Brinschwitz, mit dem Gedicht „Todesfuge“ auseinandergesetzt. Die Todesfuge wurde 1944 von Paul Celan (1920-1970) geschrieben und gehört zu den bedeutendsten Gedichten der deutschen Kriegsliteratur. Sie thematisiert, mit Hilfe lyrischer Mittel, die Judenvernichtung zur Zeit des Nationalsozialismus.
Zu Beginn des ersten Tages haben wir uns mit der Frage beschäftigt, warum wir im Jahr 2018 immer noch der Befreiung des KZ Auschwitz gedenken; einem Ereignis, das 73 Jahre zurückliegt. In diesem Zusammenhang haben wir geklärt, was das Wort „Holocaust“ bedeutet, woher es kommt und wofür das Synonym „Shoa“ steht. Nachdem wir die Antworten auf unsere Fragen gefunden hatten, haben wir die drei Aspekte des menschlichen Wesens betrachtet: Den Geist, die Seele und den Körper. Hierbei ist uns aufgefallen, dass das Gedenken alle drei Aspekte fordert. Unsere Überlegungen ließen sich mit folgendem Satz von George Santayana zusammen: „Wer sich des Vergangenen nicht erinnert, ist verurteilt, es noch einmal zu erleben.“
Später befassten wir uns mit der von Schicksalsschlägen geprägte Biografie Paul Celans. In der NS-Zeit fügten die Nationalsozialisten Paul Celan großes psychisches und physisches Leid zu, da er während seiner Inhaftierung in einem Arbeitslager schrecklichen Gräueltaten ausgesetzt war. Sein Leben lang versuchte Celan mit Hilfe von Gedichten die grauenhaften Erlebnisse zu verarbeiten, was ihm schlussendlich nicht gelang; er ertränkte sich 1970 in der Seine.
Anschließend haben wir uns eine Dokumentation über Heinrich Himmler und den Holocaust angesehen. Wir waren alle sehr betroffen. Der Film hat unsere spätere Interpretation der Todesfuge, der wir uns erst am frühen Mittag gewidmet haben, stark beeinflusst. Um einen Einstieg in den Text zu bekommen, haben wir erst mehrere Male zusammen laut gelesen und sind dann in die Feinarbeit der Artikulation und der Dynamik gegangen. Hierbei hat es uns viel Zeit und Mühe gekostet, unser Interpretation des Gedichtes zu finden. Um die Mehrstimmigkeit der Fuge zu betonen, haben wir uns in drei Gruppen aufgeteilt, die zeitversetzt begonnen haben, die Todesfuge laut zu sprechen.
Am zweiten Tag sind wir die Todesfuge noch mehrere Male durchgegangen und haben an unserer Interpretation gefeilt. Für die Gedenkfeier am Abend haben wir sie noch einmal final in der Aula geprobt, wobei sich unsere drei 6ruppen, für eine optimale Akustik, an verschiedenen Stellen der Aula positioniert haben. Am Mittag endete unsere Vorbereitung und wir kamen erst abends wieder zu einer Aufführung zusammen.
Niemand von uns hatte gedacht, dass uns die Gedenktage so berühren würden. Wir haben zusammen Momente der Trauer, der Fassungslosigkeit, der Sorge, des Zorns, aber auch der Freude erlebt.
Justus Wilson
 
Johann Schirra (1906-1933), Arbeiter und Kommunist; Künstler: Rojin Wanli

Künstlerische Auseinandersetzung – das Unsagbare ins Bild bringen
Anlässlich der Holocaust-Gedenktage 2018 haben wir uns im Projekt „Lebenswege – Künstlerische Auseinandersetzung“ mit den verschiedenen Opfergruppen des NS-Terrors sowie einzelnen Schicksalen beschäftigt.
Nachdem wir uns unterschiedliche Denkmäler, z.B. das Holocaust-Mahnmal in Berlin, angeschaut haben, haben wir uns überlegt, was für uns zu einem „normalen“ Lebensweg gehört: Stationen wie Geburt, Einschulung, Schulabschluss, Hochzeit und letztendlich auch der Tod, aber vor allem auch Hobbys und Leidenschaften, die Familie und Emotionen.
Wir haben uns Opfergruppen, z.B. politisch Verfolgte, Homosexuelle, „Asoziale“, Kinder oder auch KZ-Insassen im Allgemeinen, oder verfolgte und ermordete Einzelpersonen, z.B. den Kommunisten Johann Schirra, ausgesucht. Unter der Frage, wie wir das Schicksal der Personen oder der Opfergruppen so künstlerisch darstellen können, dass das Werk den Betrachter zum Nachdenken anregt, sind sehr verschiedene Malereien und Plastiken entstanden, die wir in der Gedenkfeier unseren Mitschülern präsentiert haben.
Durch das Auseinandersetzen mit Einzelschicksalen wurde das Leid der Verfolgten viel deutlicher als im Geschichtsunterricht, da man dort wenig über die Identität der Opfer erfährt, sondern sich eher mit Fakten beschäftigt.
Marie Thielen
 

Gedenken an die Insassen eines Konzentrationslagers; Künstler: Mergim Maraj

Sinn und Formen des Gedenkens?
Das letzte Projekt war das Organisationsprojekt. Wir haben uns vor allem mit der Frage: „Wie kann man eine würdige Gedenkfeier gestalten?“ beschäftigt. Wir haben eine Rede vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog und Zitate von Opfern der Konzentrationslager gelesen, uns Bilder aus Konzentrationslagern und einen Kurzfilm zum Holocaust gesehen. Mit diesen Grundlagen haben wir die Gedenkfeier vorbereitet. Wir haben uns ein Motto ausgedacht, eine Begrüßungsrede geschrieben und uns eine Gestaltung für die Aula überlegt. Außerdem haben wir uns überlegt, wie die Gedenkfeier besonders werden kann. Dabei sind wir auf die Idee gekommen, ein paar der anderen Schüler auszuschließen und an schlechtere Plätze zu setzen.
Weil wir im Gegensatz zu den anderen Projekten, eine sehr kleine Gruppe waren, konnte man gut über Ideen diskutieren und auch andere Meinungen hören.

Max van Wersch/Florian Fürstenberger