Gedenktage 2016

Erinnern hilft Irrwege zu vermeiden – Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus 2016

 
Schon zur Tradition geworden sind an unserer Schule die Projekttage zum Holocaustgedenktag am 27.01., dem Tag der Befreiung der Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz.
Wieder arbeiteten alle Schüler der Jahrgangsstufe 10 klassenübergreifend und näherten sich dem Thema auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Wichtig bei allen Projektgruppen waren auch dieses Jahr in mehreren Projekten besonders der lokale Bezug und der kreative Umgang mit Erinnerungsarbeit.
 
 
  
Die Ergebnisse der Projekte wurden in der Gedenkfeier präsentiert, die den Abschluss der zwei sehr intensiven Tage bildete.
 
Schon auf dem Weg zur Aula konnten sich alle noch einmal einstimmen auf das, worum es in den beiden Tagen ging: die Erinnerung an die zahlreichen Opfer der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten. Bilder des Schreckens und Sätze aus Erfahrungsberichten Überlebender und Widerstandskämpfer waren auf die Wände des Flures vor der Aula projiziert. Auch in der Aula wurde gleich deutlich, wie ernsthaft die Schülerinnen und Schüler sich mit dem Thema beschäftigt hatten.
 
 
Von der Empore hing ein Banner mit dem Motto für die ganze Gedenkfeier „Erinnern hilft Irrwege zu vermeiden“, ein Gedanke, der aus der Rede des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog stammt, die er anlässlich der Einführung des Gedenktages im Bundestag gehalten und mit der sich eine Gruppe auseinandergesetzt hatte. Alle Stühle waren beklebt mit Sätzen von den beiden ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog und Richard von Weizsäcker und von Elie Wiesel, einem Überlebenden der KZs Auschwitz und Buchenwald. Diese Sätze hatten zum Inhalt, die Erinnerung an die Gräueltaten wachzuhalten und die Aufmerksamkeit zu schärfen für die eigene Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft.
 
 
 
Während der ruhigen und konzentrierten Gedenkfeier gaben die Schülerinnen und Schüler Einblick in die Art der Auseinandersetzung mit dem wichtigen Thema: Eine Gruppe beschäftigte sich mit dem Thema der Arisierung Trierer Geschäfte und den im Umfeld der Schule verlegten Stolpersteine und drehte darüber einen Film.
Eine zweite Gruppe machte einen Gang durch die Stadt und besuchte Stätten des nationalsozialistischen Terrors und gab einen Einblick in Geschehnisse der Zeit. Vor diesem geschichtlichen Hintergrund wurde ein Bezug zu aktuellen gesellschaftlichen Themen (u.a. Sterbehilfe, Ghettoisierung von Flüchtlingen sowie Meinungs- und Pressefreiheit) hergestellt, um zum Nachdenken über die persönliche Verantwortung für politische Prozesse anzuregen.
Die Schülerinnen und Schüler des Kunstprojekts erinnerten mit ihrer Arbeit jeweils an einzelne Trierer Opfer aus ganz unterschiedlichen Opfergruppen und gaben mit ihren jeweiligen Arbeiten jedem Opfer ein Gesicht.
 
     
Erwin Fleischmann                                                                              Gertrud Schloss
 
 
 Hans Schneider
 
Sehr eindrucksvoll war die Lesung des Gedichtes „Todesfuge“ von Paul Celan, einem jüdischen Dichter, der mehrere Jahre Zwangsarbeit erleiden musste und dessen Eltern im Ghetto zu Tode kamen. In seinem Gedicht beschreibt Celan in eindringlicher Bildsprache die Gräueltaten der Nazis. Die Möglichkeiten des Sprechens auslotend – vom aggressiven Schreien bis zum Flüstern und Hauchen – präsentierte die Gruppe eindrucksvoll das Gedicht zuerst einstimmig und dann als Fuge.
 
      
Beim Lesen der "Todesfuge"                                         Erinnerung an das sog. "Judenhaus"                        Entwurf eines Grabmals
 
Seit es die Gedenktage an unserer Schule gibt, fährt eine Gruppe in die Gedenkstätte Hinzert, an der sich seit 2005 ein Dokumentations – und Begegnungshaus befindet. Die Eindrücke von dieser historischen Stätte des Unrechts standen im Mittelpunkt der Präsentation dieser Gruppe.
 
In der Gedenkstätte Hinzert
 
Nicht zu vergessen die Arbeit der übergreifenden Gruppe, die sich mit der grundsätzlichen Frage des Erinnerns beschäftigte, dazu eine kleine Blitzumfrage auf dem Viehmarkt machte – mit dem irritierenden Ergebnis, dass der Gedenktag nur wenigen Menschen im Bewusstsein ist. Diese Gruppe bereitete schließlich den Rahmen der Gedenkstunde vor.
 
In seinem kurzen Schlusswort nach der Schweigeminute für die Opfer des Nationalsozialismus und aller Gewalt dankte der Schulleiter Herr Borschel allen Schülerinnen und Schülern und ihren begleitenden Lehrerinnen und Lehrern für ihre Arbeit und die würdige Gedenkfeier und hob hervor, dass gerade in der Gegenwart mit den verschiedenen Krisenherden weltweit, aber auch den aktuellen Problemen in unserer Gesellschaft Gedenkarbeit weiterhin überaus wichtig ist und bleibt.   
 
Norbert Jakobs