EUROPA: Die Euro-WG

Würden Sie gerne Teil einer Euro-WG sein?

 

Hilfe bei der Beantwortung dieser Frage bietet das von der Stiftung Mercator geförderte Theaterstück „Die Euro-WG - wo Geld ist, ist es schön“, das von Autor und Regisseur Thomas Nufer in Zusammenarbeit mit Projektentwickler Dirk Schubert entwickelt und inszeniert wurde.
Durch die symbolische Übertragung auf eine Wohngemeinschaft, bestehend aus verschiedenen Nationalitäten, wird dem Zuschauer die bestehende Situation Europas bezüglich der Finanzkrise nähergebracht und zur Diskussion über vorherrschende Probleme und deren Lösungsansätze eingeladen.
 
Auf Initiative der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Luxemburg, in Kooperation mit HeurekaNet (Freies Institut für Bildung, Forschung und Innovation e.V.), wurde eine Theatertournee durch neun Schulen der Großregion organisiert, die großzügig von der Stiftung Mercator gefördert wurde. Am 22. Februar 2018 gastierte die Schauspieltruppe an unsere Schule, dem Humboldt-Gymnasium Trier. 
 
Im Stück handelt es sich um vier Schauspieler, die stellvertretend für vier europäischen Länder (Deutschland, Griechenland, Finnland und Italien) stehen und deren Überlebens- und Finanzprobleme repräsentieren. Zustande kommt die WG vordergründig durch den deutschen Hauptmieter Paul (Claus Becker), der Unterstützung bei der Miete braucht und sein bisher eintöniges WG-Leben verändern möchte. Im Rahmen seiner Masterarbeit möchte er herausfinden, ob ein harmonisches Zusammenleben mit Antonio (Ludgar Wördehoff), Sirii (Lara Albert) und Xenia (Franziska Lutz) funktionieren kann. Während die durch ihr Erasmus Stipendium finanziell abgesicherte Finnin Sirii bereits einen Großteil der Miete im Voraus begleicht, haben der Italiener Antonio und vor allem die chronisch-klamme Griechin Xenia damit ihre Probleme. Durch ihr Verhalten weisen die Charaktere stereotype Eigenschaften ihrer jeweiligen Länder auf. Xenia, die lieber in den Tag hineinlebt, ohne sich Gedanken über die Zukunft zu machen, weshalb sie auch weder Arbeit noch Geld für die Miete hat, steht für das klischeehafte Bild einer Griechen und der kochbegeisterte Gigolo Antonio stellt den typischen Italiener dar. Sirii und Paul hingegen sind in Sachen Geld anderer Meinung und bestrebt, ihr Einkommen und die Aufrechterhaltung der WG zu sichern, was zu einigen Konflikten zwischen den Mitbewohnern führt. Sollten sie solidarisch handeln und Xenia in dieser schwierigen Zeit finanziell unterstützen? Oder sollten sie sie kaltherzig auf die Straße setzen?
 
Xenia nimmt ihnen die Entscheidung aus der Hand und verlässt die Euro-WG, da sie das Negativbild ihres Landes belastet. Besonders Antonio, aber auch Sirii macht das Zerbrechen ihrer Wohngemeinschaft zu schaffen und Paul realisiert, dass dies Auswirkungen auf seine Masterarbeit hat. Unerwartet kehrt Xenia mit sehr viel Geld zurück und möchte es mit ihren Mitbewohnern teilen, was diese zunächst erstaunt, da sie sie wegen ihrer Art verurteilt hatten.
Letztendlich wurde ihnen bewusst, dass in ihrer Euro-WG nicht das Geld, sondern Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Toleranz und Solidarität ausschlaggebend sind.
 
Die im Theaterstück dargestellte WG-Situation wurde von der EU-Finanzkrise im Jahr 2007 inspiriert. In dieser Zeit war Griechenland auf die Hilfe der anderen EU-Staaten angewiesen, was zu kontroversen Diskussionen geführt hat, die im Theaterstück im dem Bewusstsein enden, dass man in einer Krise auch auf die Hilfe anderen EU-Staaten hoffen kann. In diesem Fall selbst von dem Staat, von dem man es am wenigsten vermutet hatte.
 
Wir persönlich finden, dass das Theaterstück uns auf amüsante Weise einen guten Überblick über die Finanzkrise verschafft hat. Durch die Schülereinbindung konnte man sich besser in das Geschehen hineinversetzen und seine Meinung zu der Thematik äußern. Zudem hat uns die künstlerische Umsetzung und die Symbolik sehr beeindruckt. Leider war der geplante Europaexperte verhindert, der das Thema noch einmal vertieft hätte. Dieser Part wurde spontan und gelungen vom WG-Besitzer Claus Becker übernommen.  
 
 
Von Carina Winkel und Verena Quint, FB12