Comenius-Konferenz Stockholm | Humboldt - Gymnasium Trier

Comenius-Konferenz Stockholm

 

Comenius-Konferenz im Stockholmer Aprilwinter

 
Es war schon etwas sehr Besonderes für uns alle, sich in Stockholm zu treffen.
 
Wir, das sind sechs Schulen aus fünf Staaten, aus Deutschland, Dänemark, Schweden, Polen und Griechenland. Wir haben zu einem europäischen Comenius-Projekt zusammengefunden, das ein sehr umfassendes Thema hat: globale Erwärmung und nachhaltige Entwicklung, Ernährungstraditionen und andere Gewohnheiten, und wie man das alles möglichst sinnvoll und gut zusammenbringen kann, in Schule und Freizeit.
 
Mehr als ein halbes Schuljahr lang hatten wir an diesem Projekt gearbeitet, im Unterricht und in Arbeitsgruppen, in Skype-Konferenzen und in vielen beruflich-privaten Kontakten. Und nun stand ein Treffen in Stockholm an, eine Konferenz. Beginn: Montag, 19. April, morgens. Ende: Donnerstag, 22. April, morgens nach dem Frühstück. Teilnehmer: 15 bis 25 von jeder Schule, plus Lehrer.
 
  
 
Bei sechs Schulen sind das, einschließlich eines gewissen Bonus für die veranstaltende Schule, ungefähr 150 Teilnehmer. Die verantwortlichen Lehrer der fünf Schulen in Deutschland, Dänemark, Polen und Schweden kennen sich gut und seit langem, wir haben im UNESCO Baltic Sea Project schon in der Vergangenheit erfolgreich zusammengearbeitet. Deshalb waren wir sicher, dass die Comenius-Konferenz in Stockholm eine tolle Sache würde.
 
Und dann kam alles ein bisschen anders. Auf Island brach der Vulkan mit dem schwer auszusprechenden Namen aus, Aschewolke, Flugverbot über Europa. Ein ganz schwieriges Problem für die Comenius-Konferenz, denn Griechen und Polen wollten mit dem Flugzeug anreisen. Völlig hoffnungslos war es für die griechischen Freunde in Athen. Für die polnische Delegation aus Katowice im Süden Polens versuchten wir Trierer gemeinsam mit den Stockholmern, eine Transportalternative zu Land und zu Wasser, per Bahn und Fähre oder Bus, zu organisieren – auch dafür gab es am Ende keine Chance, kurzfristig war alles hoffnungslos überfüllt und ausgebucht.
 
Wir Trierer hatten zum Glück kein Transportproblem. Schon vor langer Zeit hatten wir entschieden, die 1700 km nach Stockholm mit einem Bus zurückzulegen und unterwegs die Gruppen aus Kiel und Sønderborg in Dänemark aufzunehmen. Das klappte sehr gut, am Samstagmorgen um 10 Uhr trafen wir uns am HGT und fuhren los. Wir Trierer, das waren der Chemie-Leistungskurs der Jahrgangsstufe 11 und die Agenda 21 NOW!-AG, zusammen mit Herrn Jarrath und Herrn Brinschwitz. Gegen Abend stieg an der Autobahn die Gruppe aus Kiel zu, eine gute Stunde später in Sønderborg die Gruppe aus Dänemark, und so wurde es eng in dem riesigen Doppeldeckerbus. Über Nacht fuhren wir über dänische Brücken und durch schwedische Wälder, Richtung Norden.
 
 
 
Sonntagmorgen um acht, Ankunft an der Jugendherberge, die zur Hälfte aus einem großen, weißen Segelschiff bestand, das mitten in Stockholm ankerte. Es war sehr sonnig und richtig kalt, trotz Mitte April, wie im Winter, auch wenn zum Glück kein Schnee mehr lag. Im Laufe des Tages stellte sich heraus, dass die polnischen und griechischen Delegationen endgültig zu Hause bleiben und leider nicht nachkommen würden. Der Himmel über Stockholm war tiefblau, ohne einen einzigen Kondensstreifen, weiterhin Flugverbot. Wir richteten uns an diesem Tag vor der Konferenz gut ein und nahmen Stockholm in Augenschein, diese kalte, schöne schwedische Hauptstadt am Wasser, mit ihrer Altstadt, ihrem Schloss, ihren vielen Inseln, Brücken und Fähren.
 
Am Montag begannen die Konferenztage. Die vier verbliebenen Gruppen aus Trier, Kiel, Sønderborg und Stockholm versuchten, das Beste aus der Situation zu machen. Vor allem gab es zahlreiche Workshops, und durch den glücklichen Zufall, dass eine der dänischen Lehrerinnen griechischer Herkunft war, konnte sogar der ursprünglich geplante interkulturelle Workshop der nicht anwesenden griechischen Schule in Teilen realisiert werden. Jede Schule hatte den Auftrag, wenigstens einen Workshop anzubieten, für uns aus Trier war das „Agenda 21 NOW!“, ein Workshop zur Vorbereitung der alljährlichen Internet-Konferenz, die nur eine Woche später stattfinden sollte. Der Workshop wurde gemeinsam von Herrn Jarrath und einigen Agenda 21 NOW!-Mitgliedern vorbereitet und gestaltet.
 
   
 
Der Chemie-Leistungskurs hatte etwas Besonderes geplant, die Aufführung eines kleinen, selbstgeschriebenen Theaterstücks, inspiriert von der Kopenhagener Klimakonferenz im Dezember 2009, in welches die Chemie-Unterrichtsergebnisse der vergangenen Wochen einflossen – wir hatten uns unter anderem mit Isotopen-Untersuchungsmethoden bei der Analyse von Eisbohrkernen beschäftigt.
 
Leider mussten wir uns nach reiflicher Überlegung entschließen, unser Theaterstück doch nicht aufzuführen, da es in Stockholm wider Erwarten keine Gelegenheit zum Proben und Vorbereiten gab.
 
Und dies zeigt eine weitere Seite der Stockholmer Konferenz, die wir hier auch nennen wollen: Die Stockholmer Gastgeber, die Lehrer, Schüler und Eltern, haben sich mächtig engagiert, um eine tolle Konferenz zu veranstalten. Und doch gab es, neben den vielen guten Arbeitsergebnissen und einer wirklich spannenden interkulturellen Zusammenarbeit, auch eine Reihe organisatorischer Probleme. So manches musste recht spontan improvisiert werden oder war letztlich nicht so gut vorbereitet und zu Ende gedacht. Unser Eindruck war, dass die schwedischen Lehrer nicht immer optimal zusammengearbeitet haben, und das trotz des großen und sehr dankenswerten Engagements insbesondere von Susanne Mellvig, der schwedischen Comenius-Koordinatorin.
 
Das Stockholmer Gesamtergebnis ist trotzdem rundum positiv: Obwohl die polnischem und griechischen Freunde fehlten und obwohl es das eine oder andere organisatorische Problem gab, haben wir doch international sehr gut zusammengefunden, gut zusammengearbeitet und viele schöne und wichtige Dinge erlebt und gelernt, auch über das Projektthema hinaus. Das war sehr bereichernd, das hat uns inhaltlich und persönlich weitergebracht. Auch Agenda 21 NOW!, unser langjähriges Trierer Projekt, welches wir in das Comenius-Projekt eingebracht haben, hat von der internationalen Zusammenarbeit rund um die Stockholmer Konferenz stark profitiert.
 
Und so richteten sich bei der langen Rückfahrt – wieder knapp 24 Stunden, mit dem Riesenbus über Dänemark nach Süden – unsere Gedanken nach vorne, auf die nächste große Comenius-Veranstaltung: Im April 2011, in einem Jahr, wird in Dänemark, am Alssundgymnasium in Sønderborg, die Abschlusskonferenz stattfinden, bei der unser zweijähriges Comenius-Projekt seinen Höhepunkt finden soll. Wir, die Deutschen aus Trier, haben den Dänen angeboten, dabei zu helfen, diese Konferenz in deutsch-dänischer Zusammenarbeit vorzubereiten und durchzuführen. Die Dänen haben dieses Angebot gerne angenommen, und für die Umsetzung gibt es bereits eine Fülle konkreter Ideen.
 
Wir haben in den Tagen in Stockholm eine ganze Menge außergewöhnlicher Dinge gelernt. Zum Beispiel das hier: Wir haben erlebt, dass es bei einer internationalen Begegnung Situationen geben kann, in denen nationale Reflexe aufkommen. Außerdem bewegten sich viele Teilnehmer während der Konferenz überwiegend in nationalen Gruppen. Das ist alles sehr gut verstehbar und üblich, aber: Trotz aller Gemeinsamkeiten gibt es eine ganze Menge, was Schweden, Dänen und Deutsche trennt, und die große Chance eines europäischen Comenius-Projekts liegt selbstverständlich darin, durch gezielte Projektarbeit, durch konkretes Erleben und gute Erfahrungen ein Bewusstsein zu erzeugen, welches das Trennende, die komplizierten nationalen Befindlichkeiten überwindet und ein europäisches Wir schafft. Dafür gibt es kaum etwas Besseres als eine internationale Jugendbegegnung, bei der sich junge Menschen aus verschiedenen Ländern treffen, miteinander arbeiten, feiern, leben. Auch deshalb waren die Tage in Stockholm für uns ein großer Erfolg.
 
Nicht zuletzt haben wir in Schweden viel darüber gelernt, worauf es bei einer internationalen Konferenz mit Lehrern und Schülern ankommt. Diese Erfahrungen möchten wir nutzen, um die Konferenz in Dänemark im nächsten Jahr zu etwas ganz Besonderem zu machen.
 
Und da hoffen wir, auch endlich unser Theaterstück aufführen zu können.
 
Vielen Dank an alle im HGT, die nicht mitfahren konnten, aber uns und unser Comenius-Projekt unterstützen!
 
Für die Stockholm-Fahrer des Comenius-Projekts:
 
Martin Jarrath
Wolfgang Brinschwitz
Hannah Kirsten
Johannes Steinmann
 
 
P.S.: Die Stockholm-Konferenz hatte auch die folgende Nachwirkung: Mitte Mai war eine dänische Schülerin aus Sønderborg, Lykke Bonde, eine Woche lang bei uns zu Gast am HGT, sie hat uns und wir sie in Stockholm kennengelernt, sie wohnte bei Susanne Tietmann, war mit im Unterricht und hat am Agenda 21 NOW!-Projekttreffen am Donnerstag teilgenommen.