Bildende Kunst - Fotowettbewerb 2015

Erster Platz beim Fotowettbewerb „Erinnerungsorte des Ersten Weltkrieges“

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „100 Jahre Erster Weltkrieg“ organisierte das Institut Pierre Werner in Luxemburg einen Fotografie-Wettbewerb zum Thema „Erinnerungsorte des Ersten Weltkrieges“. Luxemburgische, französische und deutsche Schüler waren eingeladen nach Erinnerungsspuren zu forschen und diese in Fotos symbolisch festzuhalten.

Der BK-Grundkurs 12.6 suchte innerhalb der Schule und der Stadt Trier nach Erinnerungsspuren zum Ersten Weltkrieg und setzte diese vielfältig in Fotos und Fotocollagen um.

Diese intensive Recherche und Kreativität der fotografischen Umsetzung wurde mit dem 1. und 4. Platz beim Wettbewerb belohnt. Die Schülerinnen und Schüler der Gewinnerfotos,Alexa Ackermann, Annie Calonec, Raphael Maser und Carolina Schmitt erhielten jeweils einen Buchpreis.
Die Verfasserinnen des Begleittextes, Teresa Ferring, Marie Marxmeier und Isabelle Sprave   wurden mit einem Sonderpreis ausgezeichnet.
  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Erklärungen zu den Bildern:
 
ERINNERUNGSORTE DES ERSTEN WELTKRIEGS 
 « Celui qui se moque du passé n’est pas digne du futur » - Manchmal gestaltet sich die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit nicht so einfach, wie man annehmen könnte. Wenngleich erst hundert Jahre seit Beginn des Ersten Weltkrieges vergangen sind, so wird die Erinnerung an la Grande Guerre zumindest in Deutschland vom Zweiten Weltkrieg überschattet. Angesichts dieser Tatsache ist es von enormer Bedeutung, das Bild der Ausmaße des Ersten Weltkriegs in unseren Köpfen lebendig zu halten. Bei unserer Recherche wurde uns bewusst, dass viele Dokumente bereits der Zeit zum Opfer fallen mussten. Andere Erinnerungen werden bewusst ersetzt: So hieß unsere Schule bis zum Jahr 2009 noch Hindenburg-Gymnasium Trier. Während des Ersten Weltkriegs (1917) erhielt sie diesen Namen zu Ehren des Kriegshelden Hindenburg, der heute jedoch in einem ganz anderen Licht betrachtet wird. Dies führte zur Umbenennung unserer Schule in Humboldt-Gymnasium Trier.
 
Ein Schatten in unserer Gegenwart...
Tagtäglich laufen hunderte Menschen in unserer Schule an ihr vorbei, ohne sie zu beachten oder wahrzunehmen. Sie ist nur ein Schatten in unserer Gegenwart und verschmilzt mit ihrer Umgebung zwischen Bänken und Bäumen. Betrachtet man die Stele zum Gedenken an die gefallenen Schüler und Lehrer des HGTs im Ersten Weltkrieg dann doch näher, fragt man sich unwillkürlich: Wer waren die damaligen Mitglieder unserer Schulgemeinschaft - Friedrich Hausbrand, Robert Kampf, Rudolf Lang und all die anderen, deren Namen teilweise schon von der Zeit verwischt wurden? Die Informationssuche gestaltete sich für uns mehr als schwierig, da die Chroniken unserer Schule unvollständig sind. Die Gedenkstele wurde im Jahr 1922 anlässlich des 100jährigen Schuljubiläums errichtet, aber über die Biographien der Gefallenen ist inzwischen nichts mehr bekannt. Während heute Schüler in der Pause achtlos an ihr vorbeilaufen, fangen spielen und Pausenbrote essen, stellen wir uns die Situation der Errichtung damals konträr vor. Wir mussten uns die Vergangenheit mit Mitteln der Fiktion gestalten, da uns keine historischen Bilder zur Einweihung der Stele vorliegen. Hierdurch holen wir sie ein Stück weit in unsere Gegenwart zurück und schaffen Bewusstsein für unsere Vergangenheit.
 
Vom Krieg bleibt nur der Name...
Heute wird dort getanzt, Musik gemacht und das Zusammensein zelebriert. Die alten Mauern sind mit Graffiti bedeckt, nichts erinnert heute noch daran, dass das Exhaus einst ein Kloster und später bis zum Ende des Ersten Weltkriegs eine Kaserne war. Einzig der Name, der auf die Anrede hoher Militärs zurückgeht, zeugt noch von der Anwesenheit preußischer Offiziere. Auch diese Erinnerung löst sich langsam auf, denn heutzutage ist nicht mehr vom Exzellenzhaus, sondern vom Exhaus die Rede. Die Verschmelzung von Gegenwart und Vergangenheit wollen wir in unseren Collagen visualisieren. Der Kontrast zwischen bunt und grau, neu und alt zeigt den Wandel von einer Kriegsstätte zu einem Kulturzentrum.
 
Von Trier an die Westfront…
Trier ist im Ersten Weltkrieg eine wichtige Garnisonsstadt an der Front gewesen: der Eisenbahnverkehr wurde im Krieg auf Militärtransporte beschränkt. Von Trier aus wurde Luxemburg besetzt und Truppen und Kriegsmaterial über Luxemburg nach Frankreich an die Westfront transportiert. In umgekehrter Richtung wurden Verwundete ins Lazarett gebracht. Auch der Bahnhof Konz-Karthaus bei Trier war ein wichtiger Bahnknotenpunkt zwischen Trier und Saarbrücken und trotz starker Fliegerabwehr mehrfach französischen Bombenangriffen ausgesetzt.
Heutzutage ist das Bahnhofsgebäude nicht mehr in Betrieb und verfallen. Der Bahnhof ist zwar noch immer ein Haltepunkt auf der Strecke Trier – Saarbrücken, aber hat keinerlei herausragende Bedeutung mehr.
Durch unsere Beiträge hoffen wir, etwas Licht ins Dunkle der Vergangenheit bringen zu können und die Menschen der Gegenwart für die Schrecken des Krieges an unserer Schule und in unserer Stadt zu sensibilisieren. In einer Zeit, die immer schnelllebiger und zukunftsorientierter wird, ist das Zurückbesinnen und Reflektieren auf die Allgegenwart der Vergangenheit von enormer Bedeutung.
 
Namen der Teilnehmer des Fotowettbewerbes: (Grundkurs Bildende Kunst 12.6, HGT Trier)
Ackermann, Alexa
Bonn, Vivienne
Calonec, Annie
Diederich, Anika
Ferring, Teresa
Fiedler, Annabelle
Marxmeier, Marie
Maser, Raphael
Neukirch, Nico
Rauschenberg, Tim
Schmidt, Nico
Schmitt, Carolina
Seebohm, David
Sprave, Isabelle
 
Name der begleitenden Lehrerin: Katharina Neuses
Gesamttext von:
Teresa Ferring, Marie Marxmeier und Isabelle Sprave
Zeichnung von: Annie Calonec
 
Nachweis der Bildquellen:
- Deutscher Truppentransport, in: „Es tut mir wirklich aufrichtig leid, daß ihr so oft beunruhigt seid.“. Trierer im Ersten Weltkrieg (1914-1918), hrsg. V. Rudolf Müller, Trier 2014, S. 249.
- Exzellenzhaus als Militäreinrichtung: http://exhaus.de/exzellenzhaus/hausgeschichte/
- Exhaus heute: http://de.wikipedia.org/wiki/Exzellenzhaus#/media/File:Trier_Zurmaiener_Strasse_114_2.jpg
- Restliche Bilder: vom Kurs selbst aufgenommen